Fintech Week Hamburg – eine Woche aus der Zukunft der Finanzwelt

Fünf Tage volles Programm mit 13 übergeordneten Events und insgesamt deutlich mehr als 1.000 Teilnehmern – die Premiere der Hamburger Fintech Week vom 10. bis 14. Oktober war ein Volltreffer. In unserer Rückschau fassen wir einige der Höhepunkte und wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

„Da kommt doch keiner.“ – So lautete, pointiert formuliert, das Urteil von figo-Gründer André M. Bajorat, als Clas Beese ihm vor etwa eineinhalb Jahren erstmals von seiner Idee erzählte, eine ganze Veranstaltungswoche dem Thema Fintech zu widmen. Wie wir jetzt wissen, war das eine glatte Fehleinschätzung des in Fintech-Fragen sonst stets verlässlichen André. In diesem Fall  hat er sich allerdings gern geirrt.

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Carolin Neumann gehörte zum Organisationsteam der Fintech Week

Clas ließ sich von dieser Meinung ohnehin auf Dauer nicht abhalten. Vor etwa sechs Monaten gegann die konkrete Planung der Hamburger Fintech Week, an der auch Carolin Neumann von Beginn an beteiligt war. Die beiden bilden das Gründerteam des seit 2014 existierenden finletters, sind also mit der Materie bestens vertraut. Als Hauptveranstaltungsort viel die Wahl ohne große Überlegungen auf das Betahaus, das sich bei ähnlichen Events, etwa der Social Media Week oder Startup Weekends, schon mehrfach bewährt hatte.

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Mirko Kraul, CEO von collectAI, bei 12min.me Code Rouge

Bewährt haben sich auch diverse Formate, die sich schon seit einer Weile mit Fintech beschäftigen und das Gerüst für die Veranstaltungswoche bildeten. Etwa Code Rouge aus der 12min.me-Familie. Dort erzählte am Montagunter anderem Mirko Kraul vom Hamburger Startup collectAI, wie künstliche Intelligenz beim Inkasso zu besseren Ergebnissen führt. Auch über Blockchain wurde gesprochen; zu dieser oft als revolutionär angepriesenen Technologie später noch mehr.

Volles Betahaus bei Bankathon

Wie hat man sich das Publikum bei einer Fintech Week vorzustellen? Kommt auf die Veranstaltung an. bei der Konferenz „Digitalisierung der Prozesse 4.0“ von Euroforum dominierten Herren mit Anzug und Krawatte das Bild, beim Bankathon , dessen dritte Ausgabe erstmals in Hamburg über die Bühne ging, sah das naturgemäß anders aus. Bei diesem Codermarathon hackten 21 Teams mit rund 130 Mitgliedern innerhalb von 48 Stunden Softwarelösungen für die Finanzdienstleistungsbranche und stellten sie dann einer Jury und dem Publikum vor. Rappelvoll war es bei diesen Pitches am Dienstag.

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Die Gewinnerteams des Bankathons

Gewonnen haben drei sehr unterschiedliche Ansätze. Platz 3 und ein paar schöne Lautsprecher gingen an Stockbattle. Dieses Team brachte Aktienhandel und Gamification zusammen, in einer Art Pokémon Go für Anleger. Platz 2, belohnt mit einer Reise zur Konferenz FinDEVr in London, holte sich Fintracer. Hier kam Amazons digitale und sprechende Assistentin Alexa zum Einsatz. Möglicherweise das nächste große Ding. Den Hauptpreis, eine Reise zur New Yorker FinDEVr-Ausgabe, sicherte sich Intrabase. Diese Anwendung ermöglicht Ratenzahlungen bei Onlinekäufen, und Amazon weiß gar nichts davon.

Stefan Herbst von den Haftpflichthelden auf der FuckUp Night

Stefan Herbst von den Haftpflichthelden auf der FuckUp Night

Um Gewinner ging es irgendwie auch bei der Abendveranstaltung am Mittwoch, auch wenn der Name das nicht gerade vermuten lässt. Bei einer FuckUp Night berichten Gründer nämlich über ihre größten Fehlschläge. Verlierer sind die Teilnehmer der Fintech-Ausgabe allerdings keineswegs. So gehörte Clas Beese, der von seiner gescheiterten Kreditplattform finmar erzählte, ebenso zu den Vortragenden wie Stefan Herbst. Der konnte zwar mit schutz2go und Auslandskrankenversicherungen nicht den erhofften Erfolg verbuchen, dafür läuft es bei seinem neuen Startup Haftpflichthelden sehr vielversprechend an. Und Avuba, das Unternehmen von Jonas Pieta, existiert trotz schwieriger Phasen nach wie vor.

Fintechs als Jobmotor?

Es lohnt sich also, in der Fintech-Branche zu arbeiten. Dort werden nämlich in den kommenden Jahren viele neue Jobs entstehen, während bei den klassischen Finanzdienstleistern zum Teil massiver Stellenabbau zu befürchten ist. Bei der Commerzbank war jüngst von bis 10.000 Streichungen die Rede. Am Donnerstag drehte sich deshalb alles um das Thema Karriere und Job bei einer Reihe von Vorträgen und einer kleinen Messe.

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Michael Rasch (PwC), Alice Kohn (Journalistin), Florian Gatz (Anwalt undCoder) und Wolfgang Wopperer-Beholz (betahaus) diskutieren über Blockchain

Und am Abend dann um Blockchain, das Zauberwort schlechthin in der Digitalwelt. Was genau da auf uns zukommt ist noch gar nicht vollständig abzusehen, da waren sich die Experten einig. Die totale Anarchie wird wohl nicht ausbrechen, inzwischen adaptieren schon etablierte Banken für ihre Zwecke diese Technologie, die sie doch eigentlich überflüssig machen sollte. Blockchain, bekannt geworden durch die Kryptowährung Bitcoin, wird auf jeden Fall weit über Fintech hinaus zum Einsatz kommen. Smart Contracts sind da nur eine von vielen Anwendungsmöglichkeiten.

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André M. Bajorat bei seinem Abschlussvortrag

Auch der Freitag bot mit einer Safari zu einigen Hamburger Fintechs und einem Barcamp weitere Höhepunkte, bevor die Abschlussveranstaltung Gelegenheit für eine Zusammenfassung bot. Die besorgte André M. Bajorat, die ganze Woche immer wieder im Einsatz, als Mitorganisator des Bankathons ebenso wie als Diskussionsteilnehmer und in einer Rolle zu der wir gleich noch kommen. Seine Kernaussage zur Entwicklung der Fintechs in den letzten Jahren: „Die Revolution ist ausgeblieben – und das ist auch gut so.“

Der Finanzblog Award als Abschluss der Fintech Week

Stattdessen arbeiteten Banken und Startups immer häufiger zusammen, und der Spaß habe gerade erst begonnen. Gerade PSD2, die neue Zahlungsdienstrichtlinie der EU, könne die ganze Branche auf den Kopf stellen. Das wird dann bestimmt auch die Blogger beschäftigen, die in der Finanzwelt unterwegs sind. Einige von ihnen wurden zum Finale der Fintech Week mit dem Finanzblog Award der comdirect ausgezeichnet, unter anderem paymentandbanking (an dem ein Herr mit den Initialen A. M. B. beteiligt ist) und als Hauptgewinner finews.ch aus, klar, der Schweiz.

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Clas Beese, Initiator der Fintech Week

Und das war sie dann, die erste Hamburger Fintech Week. Wird es eine zweite Ausgabe geben? Wenn es nach Clas Beese geht, gern, auch von Seiten des Betahauses kommen schon positive Zeichen. Der Publikumszuspruch zeigt sowieso, wie groß das Interesse an dem Thema ist. Vielleicht lässt sich das Format auch auf andere Städte übertragen, aber eins ist schön länger klar: Hamburg ist definitiv eine Fintech-City!

Wer noch mehr über die Hamburger Fintech-Szene erfahren möchte, dem sei unser ausführliches Dossier zum Thema wärmstens empfohlen. Der Download ist kostenlos unter diesem Link:

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1 Antwort
  1. fintechbranche.de
    fintechbranche.de says:

    Glückwunsch zur gelungenen Veranstaltung. Wir konnten diesmal leider nicht live mit dabei sein, aber dank der perfekten Berichterstattung vor allem auf Twitter und mit den Livestreams hatte man auch so das Feeling mit dabei zu sein. Kompliment an die Organisatoren und Danke an alle Unterstützer und Sponsoren! Tipp für andere Leser: Das Dossier ist ebenfalls lesenswert.

    Antworten

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