Hamburg Startups: Das war unser 2016

Das Jahr 2016 hat sich nicht gerade überall beliebt gemacht, im Gegenteil. Da wir uns aber nicht mit Kriegen, Krisen und zu früh verstorbenen Idolen beschäftigen, sondern mit der Hamburger Startup-Szene, erlauben wir uns, eine ganz eigene Bilanz zu ziehen. Gewiss unvollständig und gnadenlos subjektiv, aber vor allem, und das gönnen wir uns und Euch jetzt einfach mal: positiv!

Manche brauchen etwas länger, um in ein neues Jahr richtig reinzukommen. Der Januar ist einfach zu kalt und zu dunkel für echte Aufbruchstimmung. Es sei denn, man gehört zur Hamburger Startup-Szene, denn dann steht gleich zu Beginn ein echter Muntermacher auf dem Programm: der Pitch, der eine Reise zum SXSW-Festival in Austin, Texas als Hauptpreis hat! Die Ausgabe von 2016 war in vieler Hinsicht richtungsweisend, wie sich im Laufe des Jahres herausstellte.

Beim MLOVE Forum in Heiligendamm im Juli ließ Nicolas Chibac (rechts) seine Drohne Spherie durch den Ballsaal des Grand Hotels fliegen. Links: MLOVE-Organisator Harald Neidhardt.

Bereits im Vorfeld qualifiziert für die Reise nach Amerika hatte sich SpiceVR mit der Drohne Spherie. Die entwickelte sich zum Dauergast bei Startup-Events aller Art in Hamburg und darüber hinaus. Egal wo man hinkam, die Drohne, die 360-Grad-Aufnahmen in neuer Qualität möglich macht, und Nicolas Chibac, einer ihrer Miterfinder, waren mit hoher Wahrscheinlichkeit schon da. Belohnt wurde die Dauerpräsenz unter anderem mit dem Gewinn des Webfuture Awards im Mai.

Trends: AR, VR und Industrie 4.0

SpiceVR ist nicht unbedingt typisch, steht aber trotzdem für einen Trend, der 2016 endlich Fahrt aufgenommen hat und in neuen Jahr sicher noch wichtiger werden wird: Virtual und Augmented Reality. Ein weiteres Buzzword ist Industrie 4.0, als solches übrigens eine deutsche Erfindung. In dieser Disziplin ist in Hamburg Cybus ein Vorreiter und durfte deshalb ebenfalls nach Austin fahren. Genau wie Spottster. Das Preisalarm-Startup war schon 2015 bundesweit bekannt geworden, durch seinen Auftritt in „Die Höhle der Löwen“.

Die Gründerinnen von Hamburg Startups, Sina Gritzuhn (links) und Sanja Stankovic, mit Ralf Dümmel

Damals gab es zwar mehr Kritik als Lob, doch das tat dem Werbeerfolg kaum einen Abbruch. Zurzeit gibt es für ein Startup keine bessere Möglichkeit, schnell bekannt und erfolgreich zu werden, als die TV-Gründershow. Das liegt nicht zuletzt an einem der neuen Löwen: Ralf Dümmel, dessen Firma DS Produkte ihren Sitz in Stapelfeld direkt an der Grenze zu Hamburg hat. Wir waren so ziemlich die ersten, die ein Porträt über den bis dato noch weitgehend unbekannten Unternehmer veröffentlichten. Dass er der mit Abstand investitionsfreudigste aus dem Rudel werden sollte, war da nur zu erahnen.

Megathema 2016: Die Höhle der Löwen

Nun sagen manche Puristen, „Die Höhle der Löwen“ gebe einen falschen Eindruck von der wahren Startup-Welt wieder und sei nur eine bessere Verkaufsshow. Das ist nicht ganz falsch, verkaufen gehört nun mal zum Geschäft. Aber will jemand behaupten, Sibilla Kawalla, Gründerin des Online-Trachtenshops Limberry, sei keine ernsthafte und vorbildliche Unternehmerin? Oder Anne und Stefan Lemcke von der Gewürzmanufaktur Ankerkraut? Oder die Jungs der Agentur Thinks mit ihrem Sporthandtuch Towell+?

Anne und Stefan Lemcke, das Gründerpaar von Ankerkraut, bei „Die Höhle der Löwen“ (Foto: VOX / Bernd-Michael Maurer)

Diese drei Startups aus der Hamburger Szene konnten einen Deal bei den Löwen ergattern, weitere sich in der Höhle gut verkaufen. Massentauglichkeit ist dort natürlich ein wichtiges Kriterium, weshalb in der Sendung der Bereich „Food“ besonders stark vertreten war. Auch ein erklärter Techniknerd wie Frank Thelen setzte verstärkt auf alles, was schmeckt und gesund ist. Hamburg Startups tut das ebenfalls und hat bereits eine Artikelreihe gestartet, die das Thema von allen Seiten beleuchtet. Ihr dürft auf viele leckere Artikel gespannt sein!

Entstanden ist die Idee zu dem neuen Dossier nach dem großen Erfolg des Food Mixers, den Hamburg Startups Anfang September veranstaltet hat. Schauplatz war das Mindspace am Rödingsmarkt, das die Coworking-Szene um eine prachtvolle Location bereichert. Wir waren schon im April zur Eröffnung vor Ort.

Fintech-Standort Hamburg

André M. Bajorat auf der Fintech Week im betahaus im Oktober

Das Dossier-Konzept haben wir bei uns übrigens mit dem Thema „Fintech“ eingeführt. Die Finanzbranche ist der wichtigste Wachstumsmotor der Hamburger Startup-Szene, wie eine Reihe von üppigen Finanzierungen belegt: Kreditech, Deposit Solutions und Exporo konnten jeweils Millioneninvestments ergattern, den Vogel schoss allerdings Finanzcheck.de mit satten 33 Millionen Euro ab. Auch die erste Hamburger Fintech Week im betahaus belegt die große Bedeutung. Immer mittendrin ist André M. Bajorat, der für sein Startup figo eine so üppige Erfolgsbilanz zieht, dass wir sie nur in Auszügen veröffentlichen können:

Im November konnten wir stolz verkünden, die Deutsche Bank als Partner und Investor gewonnen zu haben. Mit der Hilfe unserer tollen Sponsoren der ersten Fintech Week Hamburg konnten wir als alleiniger Organisator den dritten Bankathon umsetzen. Die mehr als 200 Gäste bei den finalen Pitches der 22 Teams mit 85 Teilnehmern unterstrichen die Relevanz des Themas PSD2 genauso wie die Notwendigkeit der Kooperation von Fintechs und Banken.

Die Deutsche Bank hat gerade erst ihre MultiBanking-Funktion lanciert, bei deren Implementierung unsere Technologie verwendet wurde. Außerdem können wir über 1.000 Entwickler, Unternehmen, Fintechs und andere feiern, die jetzt Finanzprodukte und -lösungen auf der Basis unser Bank-API bauen. Wir haben einen Blog über PSD2 gestartet, mehrere großartige Partner wie Cringle, Bonify und Addison gewonnen und Banken aus Österreich mit der figo-Plattform verbunden.

2016 hatte viel zu bieten und war sehr aufregend für uns als Unternehmen und als Team: Wir sind im April in unser neues Büro umgezogen, wo wir 35 Euch jederzeit willkommen heißen!

Durchstarter des Jahres: Baqend

Kehren wir noch einmal in den Januar 2016 zurück, zur Qualifikation für das SXSW-Festival. Neben FLIO präsentierte sich dort auch Familo, gerade von Google zu einer der besten Apps des Jahres gekürt. Und dann war da noch Baqend, bisher kaum öffentlich in Erscheinung getreten. Mit dem komplexen Thema, unter anderem der Beschleunigung von Webseiten, waren viele Zuschauer (einschließlich des Verfassers dieser Zeilen) damals noch leicht überfordert, doch Experten waren sich gleich sicher: Die werden sich durchsetzen!

Das Team von Baqend holt den Doppelsieg beim Startups@Reeperbahn Pitch im September (Foto: Stefan Groenveld)

Und so kam es. Das Baquend-Team arbeitete an der Verständlichkeit seiner Pitches, überzeugte mit seiner raffinierten Software ein immer breiteres Publikum und feierte im September schließlich einen doppelten Triumph: Platz 1 sowohl in der Jury- als auch in der Zuschauerwertung! Und zwar beim Startups@Reeperbahn Pitch. Der ist für Hamburg Startups als federführender Organisator immer ein besonderer Höhepunkt. Und natürlich auch für die teilnehmenden Startups. Für Baqend sprang ein Mediabudget von 100.000 Euro bei der Welt und eine Reise nach Austin dabei heraus. Dann doch noch.

Großer Dank gilt an dieser Stelle allen Partnern und dem Kuratorium des Startups@Reeperbahn Pitches!

Es ist viel passiert in 2016

Weit gebracht haben es auch andere Hamburger Startup-Helden, wie Manouchehr Shamsrizi, Gründer von RetroBrain, der Altersdemenz mit Videospielen in Schach halten will:

Wir haben unser erstes Produkt gelauncht (die MemoreBox) und bundesweit erfolgreich vertrieben (zB Malteser, Johanniter, sind erste Kunden), haben hierzu unsere Studie mit der BARMER, der Humboldt-Universität und dem Hospital zum Heiligen Geist der Diakonie im Alstertal angestoßen (erste (!) Umsetzung des neuen Präventionsgesetzes), waren das einzige Startup aus Deutschland das zu Präsident Obama’s Global Entrepreneurship Summit nach Stanford eingeladen war, und haben zum Ende des Jahres hin den Eugen-Münch-Preis gewonnen, der eigentlich nie an Startups geht.

Was sonst noch passiert ist? Viel zu viel, um alles angemessen würdigen zu können. Tolle Events wie die Online Marketing Rockstars in den Messehallen, der Innovation Summit auf dem Airbus-Gelände, das MLOVE Forum in Heiligendamm oder die solutions.hamburg mit dem Sommerfest von Silpion auf Kampnagel. Das beeindruckende Wachstum des Hamburger Meetup-Formats 12min.me mit immer neuen Themen und Standorten. Die internationale Anziehungskraft des next media accelerators. Und so weiter.

Aufbruchstimmung bei Hamburg Startups

Auch bei Hamburg Startups hat sich einiges getan: Insgesamt 312 Blogbeiträge haben wir 2016 veröffentlicht. Interviews, Porträts, Event-Reportagen, Gastbeiträge und vieles mehr. Erstmals hatten wir auch 48 englischsprachige Beiträge im Angebot. Ein gewachsenes Team macht’s möglich. Die Leser belohnten uns mit weit über 300.000 Seitenaufrufen, mehr als 8.000 Fans mögen uns inzwischen auf Facebook.

Unser Prunkstück, der Startup Monitor mit mittlerweile über 600 Eintragungen, ist auf dem Weg zur nationalen Institution: Unter dem Namen StartupSpot gibt es inzwischen eine Version für Baden-Württemberg. Weitere Standorte werden bald folgen.

Das aktuelle Team von Hamburg Startups (es fehlt CTO Norman Holz)

 

Unsere Events, wie z. B. der Hamburg Startups Mixer oder der Startups@Reeperbahn Pitch zogen 2016 weit über 1400 Gäste an. Zudem organisierte unser Team bei den Blinddates über 70 Gespräche zwischen Startups und Mentoren. Bei fünf Dinner-Formaten mit durchschnittlich 30 Gästen brachten wir Startups mit Investoren, Pressevertretern und Kooperationspartnern in einem exklusiven Rahmen zusammen.

Zudem konnten bei unseren Messe-Mixern über 35 Startups ihre Produkte einem breiten Publikum kostenlos präsentieren und spannende Kontakte knüpfen.

O là là! Auch in diesem Jahr haben wir wieder Startups mit passenden Mentoren in unsere Lovemobile gesetzt. Das Blind…

Posted by Hamburg Startups on Freitag, 23. September 2016

 

Ein Dankeschön!

Unsere gesamte Arbeit für das Hamburger Startup-Ökosystem ist nur möglich, weil wir in den letzten vier Jahren treue Partner gefunden haben, die in unser Team investieren. Zu unseren loyalen Wegbegleitern zählen u.a: Die Deutsche Bank, BEST AUDIT, EY, hiscox, Haspa, Sutor Bank, die Welt, Airbus Bizlab, XING, T-Systems, hub:raum, Handelskammer Hamburg, Ergon Datenprojekte, KPMG , DS Produkte und fischerAppelt.

Ein besonderer Dank gilt unseren Medienpartnern bei der Gründerszene, Deutsche Startups, t3n und Startup Valley News, mit denen wir sehr gerne gemeinsame Projekte umgesetzt haben.

Ohne unsere Kooperationspartner wären viele Projekte nicht machbar gewesen. Daher bedanken wir uns für ein aufregendes Jahr und tolle Zusammenarbeit bei dem betahaus Hamburg, dem Mindspace Hamburg, dem Reeperbahn Festival, der South by Southwest (SXSW), Hamburg Marketing, MLOVE, der Interessensgemeinschaft Hamburger Musikwirtschaft e.V., nextmedia.Hamburg, Carl Technik, dem next media accelerator, den Online Marketing Rockstars, der Social Media Week Hamburg, Hanse Ventures, der Technischen Universität Hamburg (TUHH) mit dem Startup Dock, der next und dem foodactive e.V. und vielen mehr!

Das Beste kommt ja bekanntlich zum Schluss. Unser Dank gilt natürlich ebenfalls unseren tollen Startups hier am Standort! Wir sind sehr stolz, dass Hamburg mittlerweile in einem Atemzug mit Berlin und München als Vorzeige-Startup-Standort genannt wird und national als Benchmark gilt! Das ist vornehmlich Euer Verdienst. You truly rock!

 

Ein Ausblick

Bei so vielen Erfolgsmeldungen kann man sich nun fragen: Und wo bleibt jetzt das Negative? Sicher, längst nicht alle Startups konnten sich so durchsetzen wie erhofft, einige mussten auch ganz die Segel streichen. Die Unterstützung aus Wirtschaft und Politik für die hiesige Startup-Szene ist definitiv ausbaufähig. Wir werden das weiter beobachten und, wenn erforderlich, kritisch kommentieren.

Gleichwohl blicken wir optimistisch in das Jahr 2017, das, so die Hoffnung einiger, auch ein Jahr der Frauen werden könnte. Weshalb das Schlusswort Miriam Bundel, der Gründerin von ShelfSailor gehören soll. Mit einem, logisch, positiven Fazit:

Das Jahr 2016 war für mich voller Highlights. Shelf Sailor hat sich in diesen Monaten extrem entwickelt. Anfang des Jahres hab ich einen österreichischen Wettbewerber mit in die Gesellschaft geholt. Das Team ist gewachsen und mittlerweile sind wir der größte Lagerplatzanbieter für private Fläche in Deutschland und Österreich mit mittlerweile über 1.000 Lagerflächen. Mitte des Jahres kamen Investoren dazu. Seit Oktober sind wir im Startupbootcamp in Amsterdam. Wir lernen dort unheimlich viel und werden von Mentoren begleitet. Das Programm hat sich für uns echt ausgezahlt. Wenn ich auf das Jahr zurückblicke bin ich sehr stolz auf mein Team und auf das, was wir gemeinsam geschafft haben.

 

Bild ganz oben links: Auch im Mai war das Mindspace Schauplatz eines Hamburg Startups Mixers, Thema: Corporates & Startups.

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