Casimir macht Nahrungsergänzungsmittel speziell für Frauen
Während bei Lebensmitteln inzwischen viele auf die Zutatenliste schauen, um beispielsweise mehr über den Anteil an Fett oder Zucker zu erfahren, tut das bei Nahrungsergänzungsmitteln kaum jemand. Dabei kommt es auch hier auf die Zusammensetzung an, denn Frauen haben einen anderen Nährstoffbedarf als Männer, was aber die wenigsten wissen. Das Startup Casimir leistet hier Aufklärungsarbeit und hat die passenden Supplements im Angebot.
Der Begriff Vitamin, erstmal im Jahr 1912 verwendet, basiert auf einem Irrtum. Ein polnischer Biochemiker glaubte, ein Mittel gegen die Mangelerkrankung Beriberi gefunden zu haben, und nannte es „Vita-Amin“, oder eben in der Kurzform „Vitamin“. Dabei handelte es sich gar nicht um ein Amin, also um eine von Ammoniak abgeleitete organische Verbindung, und zur Bekämpfung der Krankheit eigenete es sich auch nicht. Der Name etablierte sich trotzdem als Bezeichnung für lebenswichtige organische Verbindungen, die der menschliche Körper kaum oder gar nicht produzieren kann und die deshalb mit der Nahrung aufgenommen werden müssen.
Ein Durchschnittswert, der Frauen nicht gerecht wird
Der Name des Biochemikers lautete Casimir Funk und gefiel den Gründerinnen des Startups Elephant Eye so gut, dass sie ihn für ihre Nahrungsergänzungsmittel-Marke verwendeten: Casimir. Die Idee entstand, wie so viele aus der Startup-Welt, in der Zeit der COVID-Pandemie. Damals beschäftigte sich Alisa Türck intensiv mit Fragen der Ernährung und stellte dabei fest, dass sich die handelsüblichen Nahrungsergänzungsmittel tendenziell nicht an den Bedürfnissen von Frauen orientieren. Genauer gesagt, richten sie sich nach dem Nutrient Reference Value (NRV), der Teil einer EU-Verordnung von 2011 ist. Dort stehen die Richtwerte für die täglich benötigte Menge von Nährstoffen festgeschrieben. Bei Magnesium sind das zum Beispiel 375 Milligramm.

Der Haken bei der Sache: Es handelt sich dabei um Durchschnittwerte, die vielen Zielgruppen nicht gerecht werden. So reichen bei Frauen 300 Milligramm Magnesium bereits aus. Die Abweichung mag nicht dramatisch erscheinen, doch eine Überdosierung kann leicht zu unangenehmen Nebenwirkungen wie Durchfall führen. Zum Glück sind die für Frauen idealen Mengen von wichtigen Nährstoffen bekannt, veröffentlicht von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Da sie aber nicht Gegenstand einer eigenen EU-Verordnung sind, spiegeln sie sich in der Produktion von Supplements bisher kaum wider. Alisa hatte hier also eine Marktlücke entdeckt, die sie füllen wollte. Nach vielen Jahren als Geschäftsführerin einer Mediaagentur und Gründerin eines eigenen Beratungsunternehmens für Digitaltransformation war es zudem Zeit für ein Produkt, das sich mit den Händen greifen lässt.
Bei Casimir geht Qualität vor Quantität
Eine ideale Mitstreiterin fand sie in Cindy Alambwa, die Verbindungen in die Pharmaindustrie mitbringt und hauptsächlich für die Produktentwicklung verantwortlich ist. Gegründet haben die beiden im Sommer 2020, offiziell in den Markt gestartet sind sie dann zwei Jahre später. Bei der Zusammensetzung der Präparate spielen wissenschaftliche Erkenntnisse eine wichtige Rolle. Ein Qualitätskriterium ist die Bioverfügbarkeit, die aussagt wie gut der Körper ein Nahrungsergänzungsmittel aufnehmen und verwerten kann. Casimir strebt immer die höchstmöglichen Werte an, verzichtet auf Zusatzstoffe, Palmöl und Zucker und produziert laktose- und glutenfrei.
Der Qualitätsanspruch hat seinen Preis. Das Startup hat sich seinen Kundinnenkreis über den eigenen Onlineshop aufgebaut, ist inzwischen im Apothekengroßhandel gelistet und hat sich ein Netzwerk aus Ernährungsberaterinnen aufgebaut. Der Massenmarkt in Drogerieketten oder gar Supermärkten ist dagegen momentan nicht das Ziel. Auch beim Marketing agiert Casimir eher zurückhaltend, zumal die Produkte relativ erklärungsbedürftig sind. Eine Zusammenarbeit mit Influencerinnen wäre da naheliegend, birgt aber auch Risiken. Groß ist die Gefahr eines versehentlichen Verstoßes gegen das Heilmittelwerbegesetzes, das unbeweisbare Gesundheitsversprechen untersagt. Aber auch so hat das Startup zuletzt ein Umsatzwachstum von 100 % gegenüber dem Vorjahr erzielt.

Wann Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sind
Sind Nahrungsergänzungsmittel überhaupt notwendig? Diese Frage bekommt Alisa häufiger gestellt. In einer idealen Welt, in der alle beim Biobauern einkaufen, wohl eher nicht, antwortet sie dann. Die Realität sieht bekanntlich anders aus. Oft fehlen die Zeit, das Wissen und schlicht die geeigneten Lebensmittel, um sich wirklich gesund zu ernähren. Hinzu kommen viele Faktoren, die den Nährstoffbedarf erhöhen. Stress zum Beispiel, ein sich mit zunehmendem Alter verlangsamender Stoffwechsel oder Umwelteinflüsse.
Ein simples Beispiel ist der im Winter auftretende Mangel an Vitamin D, der auf geringe Sonneneinstrahlung zurückzuführen ist. So kann es also durchaus sinnvoll sein, sich über Nahrungsergänzungsmittel zu informieren und sie gezielt zu konsumieren. Darauf setzt Casimir und hat sich zudem zum Ziel gesetzt, das Thema unterschiedliche Dosierungen bei Männern und Frauen bekannter zu machen. Noch wichtiger als bei Nahrungsergänzungsmitteln ist das nämlich bei anderen Produkten: bei Medikamenten.
Fotos: Casimir / Elephant Eye


