Hamburg Startup Monitor 2026: So tickt das Hamburger Ökosystem
Mit dem Hamburg Startup Monitor 2026 haben der Deutsche Startup-Verband und die Handelskammer Hamburg eine Studie veröffentlicht, die sowohl die Stärken als auch die Schwächen unseres Startup-Ökosystems beschreibt. Wir haben uns das einmal genauer angeschaut und ordnen hier die wichtigsten Ergebnisse ein.
Als Basis für die Auswertung dient der Deutsche Startup Monitor 2025, in den die Antworten von 1.846 Personen eingeflossen sind, 201 davon stammen aus Hamburg. Hinzu kommen weitere Quellen, wie auch bei den ersten beiden Punkten, die in der Studie als Kernergebnisse genannt werden:
- Hamburgs Ökosystem wächst
Mit 1.540 aktiven Startups hat die Hansestadt eine starke Startup-Szene und kann im Vergleich zum Vorjahr zulegen. Damit ist Hamburg nach Berlin und München das drittgrößte städtische Ökosystem. - Rückstand zu München wird größer
Langfristig wachsen andere Ökosysteme in Deutschland stärker. So lag die Stadt 2019 mit 205 Neugründungen noch vor München mit 192. 2025 ist München mit 290 deutlich vorn (Hamburg: 203).
Diese Zahlen stammen aus der Datenbank von startupdetector. Als Quelle dienen hier Handelsregistereinträge, die in einem mehrstufigen Verfahren überprüft werden. Das ist über Jahre erprobt, trotzdem bietet es keine absolute Gewissheit bezüglich der tatsächlich existierenden und agierenden Startups. Uns scheint die Zahl von 1.540 tendenziell zu hoch gegriffen.
Wie international ist Hamburg?
Das nächste Kernergebnis betrifft Hamburgs traditionelles Selbstverständnis als „Tor zur Welt“:
- Internationalität kann USP werden
In Hamburg bewerten 49 % der Befragten die Stadt als attraktiv für internationale Talente (Deutschland: 40 %). Aber Englisch ist mit 40 % noch zu selten Arbeitssprache (Berlin: 67 %).
Darüber hinaus weist die Studie aus, das 21 % der befragten Hamburger Gründerinnen und Gründer im Ausland geboren wurden (Bundesdurchschnitt: 13 %). Bei den in Startups Beschäftigten insgesamt sind es 31 % (Gesamt: 32 %; Berlin: 42 %). Von einem USP ist man da also noch ein weites Stück entfernt.

Wo bleibt das Geld für Startups?
Auf die Frage, in welchem Bereich der Startup-Standort die meisten Probleme hat, lautet die Antwort üblicherweise: bei den Finanzierungen. Das bestätigt auch das nächste Kernergebnis:
- Hamburg muss bei Investments aufholen
44 % der Startups in Hamburg wurden mit externem Kapital finanziert (39 % bundesweit). Seit 2015 flossen rund 3 Milliarden Euro nach Hamburg – in München (12 Milliarden) und Berlin (38 Milliarden) wurde aber mehr investiert.
Die Lücke entsteht durch den Mangel an größeren Finanzierungsrunden ab Serie A. Nur 23 % der Hamburger Startups aus der Befragung haben bereits VC-Geld erhalten. In Berlin sind das 43 %, in München 37 %. Die Frühphasenfinanzierung durch staatliche Fördermittel und Business Angels klappt in Hamburg dagegen überdurchschnittlich gut.
Nachhaltigkeit wird groß geschrieben in Hamburg
Bei der Branchenverteilung gibt es wenige signifikante Abweichungen zum Bundesdurchschnitt. Auch die 10 % Startups aus dem Bereich Lebensmittel (Deutschland gesamt: 7 %) sind bei der geringen Fallzahl nur bedingt aussagekräftig. Eine Kategorie sticht allerdings hervor:
- GreenTech ist Fokus
Mehr als jedes fünfte Hamburger Startup (22 %) lässt sich als GreenTech klassifizieren (Deutschland: 16 %). Mit dem Unicorn 1KOMMA5° und vielen weiteren Startups existiert hier ein starkes Cluster.
Hamburger Startups legen insgesamt überdurchschnittlich viel Wert auf Impact und Nachhaltigkeit. Der Aussage „Nachhaltigkeitswirkung wird an klaren KPIs gemessen“ stimmen 50 % der Befragten in unterschiedlicher Intensität zu. Deutschlandweit und in Berlin sind es nur 39 % beziehungsweise 38 %.

Kritik am Ökosystem
Seit Jahren wird das Startup-Ökosystem im Hamburg eher kritisch beurteilt. Beim vorigen Hamburg Startup Monitor gaben nur 46 % eine positive Gesamtbewertung ab, in der aktuellen Ausgabe sind es immerhin 52 %. Das sind aber deutlich weniger als in München (77 %) und Berlin (64 %). Ein Kritikpunkt ist der angebliche Mangel an Netzwerkveranstaltungen:
- Nachfrage nach Events ist hoch
66 % der Startups wünschen sich in Hamburg mehr Vor-Ort-Events gegenüber nur 36 % in Berlin. Zentral sind dabei Kundenakquise (66 %), Vernetzung mit Gründerinnen und Gründern (60 %) und Investorinnen und Investoren (52 %).
Die Formulierung dieses Kernergebnisses ist allerdings etwas irritierend. In der Auswertung ist von der „Relevanz von Events“ die Rede, die in Hamburg besonders hoch eingestuft wird. Ein Mangel wird dort nicht explizit erwähnt. Deutliche Defizite im Vergleich zum Bundesdurchschnitt gibt es laut der Studie aber bei der Nähe zu Universitäten, der Verfügbarkeit von bezahlbaren Büroimmobilien, Kooperationsmöglichkeiten mit etablierten Unternehmen und, wie schon angesprochen, beim Zugang zu Kapital.
Gute Nachrichten aus dem Hamburg Startup Monitor 2026
Zum Abschluss unserer Zusammenfassung haben wir noch ein paar erfreuliche Ergebnisse parat:
- Der Gründerinnenanteil liegt bei 23 %. Das ist zwar noch lange nicht genug, liegt aber über dem Bundesdurchschnitt von 20 %.
- Fast 90 % der Befragten würden wieder gründen, 59 % in Hamburg. Auch das könnten gerne noch mehr sein, aber deutschlandweit wären nur 46 % standorttreu.
- Auch wenn die Mehrzahl der Befragten die Investmentbereitschaft momentan negativ bewertet, erhoffen sich in Hamburg immerhin 39 % eine Verbesserung in den nächsten 12 Monaten. In Berlin sind es nur 23 %. Es gibt also durchaus noch Optimismus in unserer Stadt.
Hier könnt ihr den Hamburg Startup Monitor 2026 herunterladen.
Alle Grafiken: Deutscher Startup-Verband







