Der Future Leader Summit machte Lust auf mehr Hamburger Startups
10.000 sollten es werden und 10.000 wurden es: Der Future Leader Summit hat sein Ziel bei der Teilnehmerzahl erreicht und noch viel mehr. Er verbreitete positive Stimmung in schwierigen Zeiten und machte deutlich, wie viel Potenzial in der Hamburger Startup-Szene steckt.
Hamburg definiert sich selbst als Startup-Metropole, muss sich aber in Deutschland seit jeher hinter Berlin und längst auch hinter München einreihen. Jede Erfolgsgeschichte aus der Startup-Welt ist also willkommen. Die Entwicklung von ChefTreff gehört definitiv in diese Kategorie. Angefangen hat es 2017 an der Hamburger Uni mit um die 100 Teilnehmenden. Über die Jahre ist das Event, das Studierenden Inspirationen für ihre berufliche Zukunft geben will, kontinuierlich gewachsen, 2025 kamen bereits 5.000 Gäste in die Handelskammer Hamburg. Dieses Jahr waren es nun also doppelt so viele, ChefTreff heißt jetzt Future Leader Summit (FLS) und ist ins Kongresszentrum CCH umgezogen. Das Event hat somit eine Größenordnung erreicht, die einen erschöpfenden Nachbericht unmöglich macht. Wir beweisen daher hiermit Mut zur Lücke und konzentrieren uns auf ein paar Kernerkenntnisse.
KI kann (doch nicht) alles
Inhaltlich hatte der Future Leader Summit eine große Bandbreite. Da ging es längst nicht nur Karriermöglichkeiten; aktuelle Themen aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft hatten ebenso ihren Platz. Erwartungsgemäß tauchte ein Begriff immer wieder auf: KI. Kein Wunder, schließlich beeinflusst künstliche Intelligenz inzwischen alle Lebensbereiche, erst recht die Arbeitswelt. Das dabei viele Arbeitsplätze wegfallen, ist unvermeidlich. Tarek Müller, Gründer des Online-Modehändlers About You, nannte ein besonders drastisches Beispiel. Demnach entstehen mittlerweile mehr als 90 % der Produktbilder mithilfe von KI. Echte Models werden kaum noch benötigt, die Kostenersparnisse gehen in die Millionen. Gleichzeitig entstehen neue Arbeitsplätze, gefragt sind jetzt Fachkräfte, die KI richtig einsetzen können.

Zudem sind der künstlichen Intelligenz auch Grenzen gesetzt, worauf der Philosoph Richard David Precht in seiner Keynote aufmerksam machte. KI ist nicht wirklich emotional, Gefühle werden nur vorgetäuscht und sind programmiert, entstehen aber nicht aus echten Vorstellungen und Erfahrungen. Auch moralische Empfindungen sind ihr fremd, weshalb bei wichtigen Entscheidungen das letzte Wort immer eine reale Person haben sollte. Überhaupt wird das Zwischenmenschliche immer eine große Rolle spielen, in vielen Situationen bevorzugen wir menschliche Fehlbarkeit gegenüber maschineller Perfektion.
Hamburg hat großartige Startups




Schon zu ChefTreff-Zeiten gehörten Startups zum Kernprogramm und mehr Studierende zum Gründen zu bewegen zu den Hauptzielen. Beim Future Leader Summit war das nicht anders, nicht zuletzt dank der starken Präsenz der Startup Factory Impossible Founders, die ein umfangreiches Bühnenprogramm und eine gut sortierte Expo präsentierte. Schon etablierte Startups wie goodBytz (Kochroboter) oder Planeteers (Klimaschutz) hatten dort ebenso Platz wie vielversprechende Newcomer. Dazu zählte FiberGuard, das Schäden an Brücken und anderen großen Bauwerken erkennt, bevor sie echten Schaden anrichten. Oder mu-ray.tech, das eine bessere Alternative zu Röntgenstrahlen entwickelt. Dieses Startup stammt ursprünglich aus Estland und ist nach Hamburg umgezogen, weil es hier bessere Forschungs- und Wachstumsbedingungen vorfindet. Die Liste ließe sich noch um viele Hoffnungsträger fortsetzen, da ist es zu verschmerzen, dass der Gewinner des Startup Pitch Battles, das MedTech-Unternehmen Histomography, aus Göttingen kommt.
Es gibt Anlass für Optimismus
Der Future Leader Summit hat es sich zur Aufgabe gemacht, Optimismus zu verbreiten und eine Aufbruchsstimmung zu verbreiten. Gar nicht so einfach in Zeiten multipler Krisen. Der Klimawandel ist längst noch nicht gebremst, Kriege beherrschen die Schlagzeilen, radikale Strömungen gefährden die Demokratie und die Sicherheit, nach einem erfolgreichen Studium problemlos eine berufliche Karriere starten zu können, besteht auch nicht mehr. Die Zukunftsängste junger Menschen habe reale Ursachen und die sozialen Medien sind da oft eher Katalysator als Helfer. All das wurde beim FLS auch thematisiert, aber zugleich mit positiven Gegenbeispielen gekontert. Eines davon ist der schon beschriebene Aufstieg von ChefTreff. Dessen Mitgründer Jan Henri Kalinowski erzählte, dass er beileibe kein Musterschüler- und student war und anfangs mit wenig Plan, aber umso mehr Neugier und Enthusiasmus agierte.

Diese „Just do it“-Mentalität ist einerseits ein Klischee, andererseits bewahrheitet sie sich immer wieder. So auch beim ehemaligen Bahn-Chef Rüdiger Grube, der in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs und auch sonst alle Voraussetzungen erfüllte, um nicht erfolgreich zu sein, wie er es formulierte. Dass er es trotzdem wurde, hat er nicht zuletzt eine Reihe von Kontakten zu verdanken, die zu einem hilfreichen Netzwerk wurden. Ein noch extremeres Beispiel für den Weg von ganz unten nach ganz oben lieferte der Engländer Simon Squibb. Mit 15 war er obdachlos und verdiente sich sein erstes Geld mit Gartenarbeiten. Als Seriengründer wurde zum Multimillionär und hat sich nun zum Ziel gesetzt, das Bildungswesen zu revolutionieren.
Auch das Team des Future Leader Summits hat ambitionierte Pläne. Das größte Event seiner Art in Europa soll es werden, vielleicht nicht ganz so bombastisch wie das OMR Festival, aber mit ähnlicher Strahlkraft für Hamburg. Wohin die Reise geht, werden wir spätestens am 16. und 17. April 2027 beim nächsten FLS erfahren.







Katrin Schurz
