Urban Friends hilft dabei, neue Freundschaften zu schließen
Dating-Apps gibt es in vielen Variationen und ihr kommerzieller Erfolg ist oft riesig. Ein vergleichbares Angebot für die Vermittlung von Freundschaften hat sich dagegen bisher nicht etabliert. Diese Lücke zu schließen, hat sich das Hamburger Startup Urban Friends zur Aufgabe gemacht und dabei auch schon erste Erfolge erzielt.
Die meisten Menschen bauen sich ihren ersten Freundeskreis in der Kindheit und während der Schulzeit auf, auch noch beim Studium oder in der Ausbildung. Ab Mitte 20 trennen sich aber häufig die Wege. Manche gründen eine Familie, die sie zeitlich einspannt, andere ziehen aus beruflichen Gründen in eine andere Stadt oder gar ein anderes Land. Und neue Leute kennenzulernen, fällt zunehmend schwerer als noch in ganz jungen Jahren. Diese Erfahrung hat auch Tom Raab gemacht. Er hat BWL und Wirtschaftsinformatik studiert, als Produktmanager unter anderem für Xing und Finanzcheck gearbeitet und stand im Frühjahr 2025 kurz davor, einen neuen und lukrativen festen Job anzutreten.
Urban Friends bildet Vierergruppen nach einer Reihe von Kriterien
Stattdessen entschied er sich für die Gründung von Urban Friends, um die Freundschaftsfindung zu erleichtern und die Aufgabe zu lösen, neu gewonnene Freundschaften auch zu erhalten. Das Angebot des Startups soll ausdrücklich keine Partnerschaftsplattform oder Dating-App sein, im Gegenteil. Personen, deren Anliegen zu sehr in diese Richtung tendieren, können sogar von Urban Friends ausgeschlossen werden. Die Idealvorstellung ist die Bildung von Gruppen von vier Personen mit ähnlichen Interessen und Verhaltensmustern. Vier deshalb, weil Erkenntnisse zur Gruppendynamik zeigen, dass Gruppen genau dieser dieser Größe sehr gute Voraussetzungen für persönliche Gespräche bieten und gleichzeitig die Terminfindung noch praktikabel bleibt.

Wer sich bei Urban Friends registrieren möchte, muss zunächst eine Reihe von Fragen beantworten. Bei Name (Vorname genügt), Geschlecht und Geburtsjahr sollte das in Sekundenschnelle erledigt sein, ebenso bei Wohnort. Da sich das Angebot zurzeit noch auf Hamburg konzentriert, ist hier der Stadtteil gefragt. Erfahrungsgemäß finden Freundschaftsgruppen leichter zusammen, wenn deren Mitglieder relativ nah beieinander wohnen. Etwas mehr Zeit sollte man sich bei der Auswahl der Themen und Interessengebiete lassen, über die man gerne reden möchte, und solcher, bei denen das Gegenteil der Fall ist. „Politik“ wird hier besonders häufig gewählt. Abgefragt wird auch die politische Einstellung anhand einer Skala von ganz links bis ganz rechts. Man muss sich aber nicht festlegen.
Über 100 Gruppen, 91 % äußern Wunsch nach weiteren Treffen
Weitere Fragen behandeln die zeitliche Verfügbarkeit, den Planungsstil – eher spontan oder eher vorausplanend, ein nicht zu unterschätzender Faktor – und das Kommunikationsverhalten. Ein wesentliches Auswahlkriterium ist schließlich die Angabe von Präferenzen bezüglich der Eigenschaften von Personen, die man gerne kennenlernen würde. Die Registrierungsphase dauert jeweils einen Monat. Anschließend berechnet Urban Friends, welche Personen eine funktionierende Vierergruppe bilden können, und macht ihnen ein bis zwei Vorschläge. Ein wichtiges Auswahlkriterium ist dabei eine Sprachnachricht, mit der sich eine Person vorstellt und die einen persönlicheren Eindruck vermittelt als eine bloße Ansammlung von Daten und Fakten. Erst danach fällt die Entscheidung, ob jemand einer Gruppe tatsächlich beitreten möchten. Wenn nicht, gibt es das Geld zurück.
Über 100 Gruppen sind so in den letzten Monaten entstanden, einige haben sich schon bis zu zehn Mal getroffen. Damit möglichst viele Nutzerinnen und Nutzer über das erste Treffen hinaus weiter in Kontakt bleiben, übernimmt Urban Friends die Moderation der Gruppen. Das heißt zum Beispiel, das Startup schlägt Orte für Treffen vor, kümmert sich um die Reservierungen und animiert zu weiteren Begegnungen. 91 % der Teilnehmenden wollten ihre Gruppe nach dem ersten Treffen wiedersehen, ohne Unterstützung war das aber zunächst nur bei 10 % geschehen. Seit Einführung der Moderation treffen sich 75 % der Gruppen mindestens ein zweites Mal. Der Service wird also gut angenommen, hat aber auch einen Nachteil: Diese Form der persönlichen Betreuung lässt sich nur schwer skalieren. Tatsächlich übernimmt sie aktuell noch der Gründer selbst.

KI hilft seit Beginn beim Wachstum von Urban Friends
Was anfangs fast ein Fulltime-Job war, kann Tom inzwischen mit einem Zeitaufwand von höchstens zwei Stunden pro Tag erledigen. Grund ist hier mal wieder der Einsatz von künstlicher Intelligenz, die von Anfang an eine wichtige Rolle gespielt hat. Bisher sind die gesamte Software und der Webauftritt mithilfe von Vibecode entstanden, was einen schnellen Aufbau eines bereits gut funktionierenden Produkts ermöglichte. Um jetzt die vor allem die Skalierung der Gruppenmoderation voranzutreiben, verstärkt seit Kurzem der ITler Niko Noll das Team. Zu dem gehören außerdem der Mitgründer und Business Angel Philipp Stegmann und Cinja Leuschner, die für das Marketing zuständig ist. Bis Mai 2027 schafft die Förderung durch das InnoImpact-Programm der IFB Innovationsstarter GmbH eine finanzielle Basis, eine zusätzliche Finanzierung wird angestrebt, um noch schneller wachsten zu können.
Das Potenzial dafür ist durchaus vorhanden. Bisher sind 70 % der Teilnehmenden weiblich und zu 80 % im Alter zwischen 25 und 40 Jahren; durch gezieltes Marketing lassen sich sicherlich auch noch andere Zielgruppen ansprechen. Mit Timeleft gibt es bereits ein international erfolgreiches Unternehmen, das ebenfalls Menschen zusammenbringt, sich dabei aber auf Restaurantbesuche und feste Zeiten fokussiert. Der Anspruch, dauerhafte Freundschaften zu schaffen, besteht dabei nicht. Urban Friends ist da sowohl flexibler und als auch stärker darauf ausgerichtet, einmal gebildete Gruppen auch zusammenzuhalten. Freundschaften wollen schließlich gepflegt werden.
Bildmaterial: Urban Friends







