Zebra Investment Night sorgt für Erfolgserlebnisse am Millerntor
Mehr als 80 Bewerbungen. 210.000 Euro Finanzierungszusagen für das Bremer Startup Heatrix. Insgesamt 415.000 Euro avisiert für vier Startups. Die dritte Ausgabe der Zebra Investment Night sorgte gleich für mehrere Rekorde und festigte damit seinen Ruf, das lukrativste Pitch-Event Hamburgs zu sein.
Der letzte Heimsieg gelang dem FC St. Pauli am 22. Februar 2026 gegen Werder Bremen. Viel Grund zum Feiern gab es also in letzter Zeit nicht im Millerntor-Stadion. Am 27. August war das zum Glück anders, auch wenn der Erfolg nicht auf dem Rasen, sondern in einem Ballsaal Südtribühne genannten Veranstaltungsraum erzielt wurde. Dort fand nämlich die dritte Zebra Investment Night statt, wie immer initiiert vom Impact Hub Hamburg. „Zebra“ ist bekanntlich der Begriff für ein Startup, das wirtschaftlichen Erfolg mit positivem Einfluss auf Gesellschaft, Umwelt oder Gesundheit verbinden möchte. Acht Vertreter dieser sympathischen Spezies waren zum Pitch vor finanzierungswilligen Investorinnen und Investoren angetreten.

Mit weniger CO2 höhere Umsätze
Ein Schwerpunktthema war der Klimaschutz mit besonderem Fokus auf die Vermeidung von CO2-Emissionen. Diese zu senken muss Unternehmen keine Mehrkosten verursachen, im Gegenteil. Mit diesem Versprechen geht dauri aus Berlin auf Kundensuche und analysiert dafür mehr als 150.000 potenzielle Maßnahmen. Ein Pilotprojekt mit einer Reihe von Sparkassen-Filialen hat schon vielversprechende Resultate gebracht. Reisen per Flugzeug ist nicht gerade umweltfreundlich, aber schneller und oft sogar günstiger als eine Fahrt im Nachtzug. Zusätzlich schwer macht die Bahn den Umstieg mit ihren chronischen Verspätungen. Mit einer solchen hatte auch der Gründer Anton Dubrau zu kämpfen. Zum Pitch kam er aber gerade noch rechtzeitig aus Berlin, um sein Startup Luna Rail vorzustellen, das Schlafkabinen für Züge baut, die mehr Komfort mit einen günstigeren Preis verbinden.

Wenn Startups heiße Luft produzieren, ist das normalerweise kein gutes Zeichen. Anders bei Heatrix, dessen CEO und Mitgründerin Dr. Wei Wu einen besonders groß geratenen Föhn präsentierte. So jedenfalls bezeichnete sie ein Gerät, das Hitze mithilfe grünen Stroms statt durch fossile Energie erzeugt. Das Maschinenteil soll in Industriebereichen eingesetzt werden, in denen für die Produktion hohe Temperaturen erforderlich sind. Für einen Wandel in der Industrie setzt sich auch exaere aus Hamburg ein, zumindest, was die Beschaffung bestimmter Rohstoffe betrifft, zum Beispiel Seltene Erden. Die stammen häufig aus politisch unsicheren Regionen und werden unter menschenunwürdigen Bedingungen abgebaut. Recyling, das zu mehr Unabhängigkeit von Importen führt, war bisher kaum möglich. Mit einem biochemischen Verfahren will das Startup das ändern.
Zebras für Landwirtschaft und Medizin
Zu den wirkungsmächtigsten Treibhausgasen zählt Methan, und rülpsende Rinder gehören zu den fleißigsten Erzeugern. Das kann man den Tieren nicht übelnehmen, aber man kann ihnen Futter verabreichen, das die Methanerzeugung reduziert. Genau das hat das Hamburger Startup Fermeta vor. Sein Futterzusatz sorgt nicht nur für einen verminderten Ausstoß des schädlichen Gases, sondern auch für eine gesteigerte Milchproduktion. Produktionssteigerungen in der Landwirtschaft verspricht auch Zymbiox, in diesem Fall bei Gemüse. Was viele nicht wissen: Auch in diesem eigentlich gesunden Lebensmittel steckt Mikroplastik, aufgenommen durch den kontaminierten Boden. Zum Glück gibt es Mikroben, die Mikroplastik „fressen“, und genau diese hat das Startup zusammengestellt, das in Berlin entstanden ist und in Hamburg gegründet werden soll.

Ebenfalls aus Hamburg und der Gesundheit verpflichtet sind die nächsten beiden Startups. Panadea Diagnostics hat seinen Ursprung am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, und das schlägt sich im Geschäftsmodell nieder. Das besteht nämlich darin, Tests für hauptsächlich tropische Krankheiten zu entwickeln, die eine deutlich höhere Trefferquote haben als andere Produkte dieser Art. Besser als seine Mitbewerber will auch Aortex sein. Hier geht es um Stentgrafts, Gefäßprothesen, die Aneurysmen – kranhafte Erweiterungen von Blutgefäßen – behandeln können. Der Qualitätsvorsprung entsteht durch ein neuartiges Material und individuelle Fertigung.
Der neue Zebra-Rekord geht nach Bremen

Zu gewinnen gab es an diesem Abend Beratungsstunden und „Fast Track Tickets“, die zu einem direkten Vorstellungstermineinem Kapitalgeber führen. Das bieten auch andere Pitchveranstaltungen. Außergewöhnlich machen die Zebra Investment Night die Zusagen auf Wandeldarlehen, immer vorausgesetzt, die nachfolgenden Gespräche verlaufen positiv. Freuen dürfen sich daher:
- Fermeta – 25.000 Euro.
- Zymbiox – 50.000 Euro mit der Option auf weitere Investments.
- Aortex – 130.000 Euro.
Absoluter Abräumer ist aber Heatrix mit der Rekordsumme von 210.000 Euro. Damit zeigte das Startup, dass auch Bremer am Millerntor gewinnen können.
Fotos: Markus Hertrich







