Horny Hive – mit Tests gegen Tabus und Viren
Die Geschichte von Horny Hive ist eine klassische Startup-Story. Die Idee wurzelt in einer persönlichen Erfahrung, es geht um den Wunsch nach positiver Veränderung und darum zu erkennen, wann es besser ist auszusteigen und wann es sich lohnt durchzuhalten. Ach ja, und mit Geschlechtskrankheiten geht es um eine Sache, die mit Tabus behaftet ist und dabei so viele betrifft.
Geschlechtskrankheiten sind nicht unbedingt ein Thema, über das man sich im Familien- und Freundeskreis bevorzugt unterhält. Dementsprechend lückenhaft ist das Wissen darüber. Das musste auch Nina Hannemann feststellen, als bei ihr im Jahr 2015 HPV diagnostiziert wurde. Dabei ist diese Virusinfektion weit verbreitet, bis zu 80 % der Weltbevölkerung sollen im Laufe ihres Lebens damit zu tun bekommen. Viele Betroffene bemerken es aber nicht, weil sie oft symptomfrei verläuft. Im schlimmsten Fall kann sie allerdings Gebärmutterhalskrebs auslösen, wie ihr Gynakologe Nina wenig einfühlsam mitteilte. Das war ein Schock, der sie dazu brachte, sich intensiv mit der Materie zu beschäftigten, und den Wunsch aufkeimen ließ, Aufklärungsarbeit zu leisten und das Thema aus der Tabuzone zu holen.
Bienen sind eigentlich gar nicht so „horny“
Bis daraus eine echte Geschäftsidee reifte, dauerte es einige Jahre. Ein guter Bekannter, der später zum Mitgründer wurde, brachte die Idee ins Spiel, Selbsttests für STI (Sexual Transmitted Infections = sexuell übertragbare Infektionen) zu verkaufen. Auf der Medizinfachmesse Medica in Düsseldorf klapperten die beiden 2021 sämtliche Anbieter solcher Tests ab. Gesucht war ein vertrauenswürdiger Partner, der alle Zulassungskriterien erfüllt und seine Produkte auch unter dem Namen des noch zu gründenden Startups vertreiben lassen wollte. Bei einem Unternehmen in Österreich wurden sie fündig.

Ihr Startup bekam den Namen Horny Hive, inspiriert von dem Anschein, dass es in einem Bienenstock besonders turbulent zugeht. In Bezug auf den sprichwörtlichen Fleiß beim Honigsammeln mag das auch zutreffen, ein Liebesleben bleibt den dafür zuständigen Arbeiterinnen aber verwehrt. Das hat unter den weiblichen Bienen nur die Königin, hinzu kommen die männlichen Drohnen, die leider nach dem Akt versterben. Aber zurück zu Horny Hive: Mitte 2022 ging es los mit drei zertifizierten Tests, für die entweder eine minimale Blutentnahme aus der Fingerspitze (HIV) oder ein Abstrich (Chlamydien, vaginaler pH-Wert) erforderlich sind. Alle Tests haben eine äußerst hohe Trefferquote, sollen aber den Arztbesuch nicht ersetzen und diesen bei einem positiven Ergebnis unbedingt zu Folge haben.
Entscheidungen für und gegen das Startup-Leben
Nina und ihr Mitgründer hatten sich mit großem Enthusiasmus in das Startup-Abenteuer gestürzt und dabei die Erfolgsaussichten überschätzt. Die gelernte Groß- und Einzelhandelskauffrau, die hauptberuflich noch im Vertrieb eines Chemieunternehmens arbeitete, ließ sich davon nicht beirren. Sie arbeitete sich parallel weiter in das Thema ein und machte unter anderem 2023 eine Fortbildung zur zertifizierten Sexualberaterin. Ihrem Mitstreiter, der ebenfalls noch einer anderen Tätigkeit nachging, wurde dagegen mehr und mehr bewusst, dass ihn die Doppelbelastung überforderte. Auch Nina bemerkte, wie sein Engagement nachließ, und so war sein Ausstieg unvermeidlich und für alle Beteiligten die beste Entscheidung. Eine solche Situation kann sich bei vielen Startups ergeben. Wichtig ist, offen miteinander umzugehen und rechtzeitig die Reißleine zu ziehen, um Streit und Burnout zu vermeiden.

Anfang 2024 war Horny Hive also ein Ein-Frau-Unternehmen und ist es bis heute. Das heißt, nicht ganz, denn Ninas Vater ist als Teilzeitangestellter für Lager, Versand und Teil des Kundenservices zuständig. Nina kümmert sich seit Juli 2025 ausschließlich um ihr Startup, dessen Umsätze langsam, aber stetig steigen. Inzwischen gibt es weitere Tests im Sortiment – seit Dezember 2025 auch für Syphilis – sowie weitere Produkte rund um die Sexualität, von Kondomen bis zu Liebeskugeln. Dies allerdings zunächst nur probeweise, der Fokus soll eindeutig auf den Selbsttests bleiben. Zu Ninas Mission gehören zudem Aufklärungsarbeit und Enttabuisierung, zu denen Beiträge auf der Webseite von Horny Hive sowie Seminare und Workshops beitragen. In dringenden Fällen steht sie auch am Telefon beratend zur Seite.
Verstärkung für Horny Hive gesucht
Vertrieben werden die Produkte über den eigenen Onlineshop sowie über große Plattformen wie Amazon oder Shop Apotheke. Das Marktpotenzial ist groß und Nina empfiehlt gelegentliche Tests auch Personen, bei denen das Risiko scheinbar gering ist und keine Symptome erkennbar sind, denn wie gesagt, die Dunkelziffer ist hoch. Um ihr Startup weiter voranzubringen, sucht sie jetzt eine Verstärkung für die Geschäftsführung, die idealerweise Erfahrung in den Bereichen Unternehmensführung, Marketing und Finanzen mitbringt. Die Zahl der von Geschlechtskrankheiten Betroffenen in Deutschland steigt, war in letzter Zeit häufiger in den Medien zu lesen. Keine erfreuliche Nachricht, aber eine, die zeigt, dass ein Startup wie Horny Hive gebraucht wird.
Fotos: Horny Hive


