Die App von HeWo Systems versteht das Handwerk
Nach dem Abi direkt in die Startup-Welt – das ist die Geschichte von HeWo Systems und seiner Gründer. Im Mittelpunkt steht dabei eine App für das Handwerk, die das umständliche Ausfüllen von Dokumenten durch Sprachnachrichten ersetzt.
Für ihr Alter bringen Lios Wolters (19) und Bo Herzog (20), die Gründer von HeWo Systems, bereits bemerkenswert viel Erfahrung mit. Bereits mit 15 stand für Lios fest, dass er sich so früh wie möglich selbständig machen wollte. Mit 17 war es so weit: mithilfe künstlicher Intelligenz programmierte er sich einen Trading-Bot für den Kryptohandel. Anschließend übernahm er einen Job als KI-Engineer im Bereich Lagerverwaltung, baute Webseiten und verwendete je nach Bedarf ChatGPT oder Claude Code. Auch Bo hatte sich früh mit den Möglichkeiten beschäftigt, die KI bietet.
Zwei Schüler mit einer Vision

Kennengelernt haben die beiden sich in ihrem Abiturjahr, in einem Kurs für Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Dort stellten sie fest, dass sie einerseits viele gemeinsame Interessen hatten und sich andererseits gut ergänzten. Nach dem Abi beschlossen sie, zunächst kein Studium anzufangen, sondern damit professionell weiterzumachen, was sie schon während der Schulzeit begonnen hatten: kleineren Unternehmen bei der Digitalisierung zu helfen. Besonders groß ist der Bedarf bei Handwerksbetrieben. Ein mehrfach geäußerter Wunsch war es, mit der „Zettelwirtschaft“ aufzuräumen. Zwar waren zu diesem Zweck schon manche Mitarbeitenden mit Tablets ausgestattet worden, die aber nicht wie erhofft genutzt wurden. Offensichtlich verursachte hier die manuelle Eingabe von Daten immer noch einen zu großen Aufwand.
Lios und Bo entschieden sich daher für eine andere Lösung. Zunächst als Projekt entwickelten sie eine App, die sich per Sprachbefehl steuern und nutzen lässt. Die erwies sich im Test als so erfolgreich, dass daraus ihre primäre Geschäftsidee wurde. Das Produktversprechen von HeWo lautet, eine umfassende Handwerkersoftware mit ERP-Funktionen zu bieten, über die sich Aufgaben aus Büro, Einsatzplanung, Lager und Rechnungswesen organisieren und erledigen lassen. Am Anfang steht beispielhaft ein Monteur, der in die App einspricht, was er wann wo gemacht und welche Materialien er dabei verwendet hat.
Trotz starker Konkurrenz sieht HeWo gute Erfolgschancen
Auf den Mai 2026 datiert der offizielle Start von HeWo Systems. Aktuell nutzen bereits über 20 Betriebe die App, erste Einnahmen konnte das Startup auch schon erzielen. Ein wertvollen Bekanntheitsschub bewirkte ein TV-Beitrag im NDR-Regionalprogramm Anfang Oktober. Der Kontakt kam über einen ehemaligen Klassenkameraden zustande, dessen Stiefvater beim NDR arbeitet. Wertvolle Netzwerke können eben überall entstehen, auch in der Schule. Auch aus den Familien kam kompetente Unterstützung für die Gründer. Beide Väter sind selbstständige Unternehmer und können daher wertvolle Tipps geben.

Mit seiner App bedient HeWo Systems zwar eine große Zielgruppe, hat aber auch starke Konkurrenz. Dazu gehört mit plancraft ein Hamburger Startup, das 2025 in einer Finanzierungsrunde 38 Millionen Euro eingesammelt hat und inzwischen mehr als 150 Mitarbeitende zählt. Lios und Bo agieren dagegen momentan noch ohne Investoren und im Alleingang. Trotzdem sind sie optimistisch, aus drei Gründen: Der Markt ist groß genug für mehrere Anbieter, in ihrer Unternehmensphase sind sie noch besonders nah an jedem Kunden, wodurch Verbesserungswünsche schnell umgesetzt werden können, und ihr Fokus auf Spracheingabe übers Handy verschafft ihnen ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal.
Für Ende 2027 haben sie 300 zahlende Kunden angepeilt, bis dahin könnte eine zusätzliche Vertriebskraft das Team verstärkt haben. Ein weiteres Projekt, eine App mit speziell für den Heizungsbau entwickelten Funktionen, haben sie vorerst hintenangestellt, um sich auf ihrem Wachstumskurs auf ein Ziel konzentrieren zu können. Schließlich hat der Tag nur 24 Stunden, daran kann auch die schlaueste KI nichts ändern.
Bilder: HeWo Systems









