Bei Blauplan hilft KI beim Bauplan
Papierkram hält in vielen Branchen ab von angenehmerer und sinnvollerer Arbeit. In Architektur und Bauwesen ist es eher „PDF-Kram“, aber das Problem ist das gleiche. Auch die Lösung, die Blauplan anbietet, ist mittlerweile vertraut: künstliche Intelligenz soll es richten. Dabei legt das Startup besonderen Wert auf Kundennähe und sucht daher zurzeit Partner, um die Software in der Praxis zu testen und marktgerecht weiterzuentwickeln.
Die Idee entstand aus eigener Erfahrung
Die besten Startup-Ideen entstehen meistens aus einer persönlichen Erfahrung. So war es auch bei Linus Feicke. Er hat Architektur studiert, strebt einen Masterabschluss in Immobilienwirtschaft an und hat bis vor Kurzem für ein Architekturbüro gearbeitet. Zu seinen weniger anspruchsvollen Aufgaben gehörte es dort, Daten von PDF-Dateien in ein AVA-System zu tippen. AVA steht im Bauwesen für Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung, umfasst also alle wesentlichen Phasen eines Bauprojekts. Idealerweise erfolgt der Informationsaustausch über branchenspezifische GAEB-Dateien (die Abkürzung bedeutet „Gemeinsamer Ausschuss Elektronik im Bauwesen“), aber in vielen Fällen wird eben mit PDF-Dokumenten gearbeitet, deren Übertragung zeitraubende Handarbeit bedeutet. Das gilt für Angebote wie für Rechnungen.

Linus saß einmal fast vier Stunden daran, das Angebot eines Handwerksbetriebs Position für Position zu erfassen. Ob das nicht auch schneller ginge, fragte er sich und auch seinen langjährigen Freund Leon Marc Schmidt. Die beiden kennen sich seit der Schulzeit, haben zusammen Abi gemacht und Linus war sogar Trauzeuge bei Leons Hochzeit. Früher träumten die beiden von einem gemeinsamen Architekturbüro, doch Leon schlug dann eine Karriere als IT-Experte ein, als der er für ein großes Unternehmen noch heute tätig ist.
Dank KI schneller und gründlicher zum Leistungsverzeichnis
Diese Expertise ermöglichte es ihm, innerhalb von ein paar Tagen eine Software zu entwickeln, die Informationen aus PDF-Dokumenten zu GAEB-Dateien umformatiert. Was bisher Stunden dauerte, ließ sich nun in Minutenschnelle erledigen. Damit war Mitte 2025 die Grundidee zu Blauplan entstanden; der Name ist eine Kombination aus Blaupause und Bauplan. Der erste Prototyp war im Dezember 2025 fertig, im ersten Halbjahr 2026 erfolgte die Weiterentwicklung der Plattform und seit dem 1. Juli ist das Angebot live.
Das besteht im Kern in der automatisierten Erstellung eines Leistungsverzeichnisses. Das ist eine detaillierte tabellarische Auflistung aller Lieferungen und Leistungen, die im Rahmen eines Auftrags im Bau- und Handwerksbereich zu erbringen sind. Bei Blauplan ist der erste Schritt eine simple Anweisung an eine KI, beispielsweise „Ich möchte einen Dachstuhl sanieren.“. Durch einen umfassenden Fragenkatalog lassen sich dann die Anforderungen spezifizieren. Das Ergebnis ist eine Projektbeschreibung, die auch beinhaltet, welche Art von Handwerksbetrieben erforderlich sind. Das KI-gestützte Verfahren spart nicht nur erheblich Zeit, dank einer umfangreichen Datenbank im Hintergrund ist gewährleistet, dass keine wichtigen Punkte übersehen werden.

Blauplan ist bereit zu wachsen und sucht dafür Partner
In diesem Bereich ist Blauplan bereits voll funktionsfähig, was nicht heißt, dass der Service nicht kontinuierlich ausgebaut wird. In Arbeit ist beispielsweise eine mobile App, die als Bautagebuch fungiert, mit der sich also die Entwicklung eines Projekts dokumentieren lässt, auch anhand von Fotos. Wenn alles klappt, ist die App schon in wenigen Wochen verfügbar. Bei der Software handelt es sich um eine Cloud-Lösung, bei der die Daten DSGVO-konform in Europa gespeichert werden. Sie ist so konzipiert, dass eine Skalierung Blauplan zumindest nicht vor technische Herausforderungen stellt.
Wie bei vielen Startups in ihrer frühen Phase sind daher vor allem Marketing und Vertrieb die entscheidenden Faktoren für Wachstum. Erste Kunden haben das kostenlose Testangebot für ein Leistungsverzeichnis bereits genutzt, haben aber bisher kein Feedback gegeben, ob die Software ihre Erwartungen erfüllt. Deshalb ist Linus gerade intensiv damit beschäftigt, Architekturbüros als Pilotpartner zu gewinnen. Bevorzugt im norddeutschen Raum, um den Kontakt so persönlich wie möglich gestalten zu können. KI-Startups gibt es momentan viele. Ihre Chancen sich durchzusetzen steigen, wenn sie sich auf ein bestimmtes Thema spezialisieren und möglichst nah am Kunden agieren. Auf beides setzt Blauplan.
Bilder: Blauplan









