Wie VisioPlan der Pivot von VR zu KI gelang
Aus Grundrisszeichnungen von Gebäuden virtuell begehbare 3D-Modelle zu erstellen – das war 2024 die Kernidee bei der Gründung von VisioPlan. Inzwischen hat das Startup sein Geschäftsmodell umgestellt: Immobilienvisualisierung steht zwar immer noch auf der Agenda, aber jetzt geht es um Renderings und statt VR hat KI die Hauptrolle übernommen.
Die Geschichte von VisioPlan beginnt an der Bauhaus-Universität in Weimar mit einem Projekt zur Erstellung von virtuellen Häusern. Damals dabei waren Kevin Fechner, Albert Lößner und Mathias Worm, die Management mit dem Fokus auf Bau und Immobilien beziehungsweise Bauingenieurswesen studierten. Auch nach dem Studium blieben sie in engem Kontakt, Kevin und Albert arbeiteten beispielsweise für das BIM-Labor der Hochschule 21 in Buxtehude. BIM ist die Abkürzung für Building Information Modeling, eine Arbeitsmethode für die vernetzte Planung, den Bau und die Bewirtschaftung von Gebäuden mithilfe von Software.

Wenn Virtual Reality an seine Grenzen stößt
Was sie bei ihrer Arbeit immer wieder feststellten: In der Immobilienbranche wird der Einsatz von Virtual Reality (VR) zwar grundsätzlich begrüßt, der Umgang damit aber oft als zu aufwendig beurteilt. Und auch die optische Qualität lässt häufig zu wünschen übrig. Daraus entstand die Idee, eine eigene Software zu entwickeln und diese über ein Startup zu vermarkten. Mathias, der zu der Zeit an der TU Hamburg tätig war, kam wieder hinzu, und als vierter vervollständigte Maximilian Schmidt das Gründungsteam. Den Softwareentwickler kannte Kevin noch aus seiner Jugend in Flensburg, wo Maximilian auch heute noch seinen Lebensmittelpunkt hat.
VisioPlan, das Startup, das die vier 2024 gründeten, bekam von Beginn an viel Rückenwind. So konnte es sich ein EXIST-Gründungsstipendium und eine Förderung durch das InnoFounder-Programm der IFB Innovationsstarter GmbH sichern und ein Platz im AI.STARTUP.HUB ergattern. Auch von Kunden gab es viel Lob. Im Laufe der Zeit wurde aber immer deutlicher, dass sich das Geschäft nicht wirklich skalieren ließ. VR ist nie zum Massenthema geworden. Der Umgang mit der Technologie ist relativ kompliziert und VisioPlan blieb auf der Ebene von kosten- und zeitaufwendigen Projekten stehen. Eine weitgehende Automatisierung, die echtes Wachstum erst möglich macht, war nicht zu erreichen.
VisioPlan macht KI-Anwendungen einfacher
Das Konzept für einen Neuanfang ergab sich aus Kundengesprächen, bei denen regelmäßig nach Renderings gefragt wurde. Auch das sind Visualisierung von Immobilienprojekten, allerdings in Form von einfacheren, unbewegten Bildern. Weniger spektakulär als Rundgänge durch virtuelle Gebäude, dafür aber schneller zu realisieren und vielseitiger einsetzbar. Künstliche Intelligenz kam bei VisioPlan bereits zum Einsatz, jetzt sollte sie zum dominierenden Geschäftsmodell werden. Im Prinzip kann heutzutage jeder Renderings mit allgemein zugänglichen KI-Modellen erstellen, der Teufel steckt aber im Detail. Welche KI ist für meinen Zweck am geeignetsten? Wie formuliere ich die zielführendsten Prompts? Wie vermeide ich Halluzinationen, also merkwürdige oder einfach unsinnige Ergebnisse?




Diese Fragen lassen sich mühsam nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum“ beantworten, was bei vielen zu Frust und einer KI-Müdikeit führt, gerade in Architektenkreisen. Oder aber von VisioPlan. Das Startup hat dafür keine eigene künstliche Intelligenz entwickelt, sondern greift auf vorhandene Modelle zurück, natürlich immer auf dem neuesten Stand und je nachdem, welches für die gestellte Aufgabe die besten Resultate liefert. Am Anfang steht beispielsweise die Zeichnung von einer Immobilie, aus der ein 2D- oder 3D-Modell entsteht. Dieses Modell lässt sich dann in virtuelle Umgebungen integrieren oder in Aufnahmen von Google Earth. Man kann es aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten und mit Fassaden verschiedener Farben und Materialien verzieren.
Schnelligkeit und Flexibilität machen den Unterschied
Das Verfahren eignet sich für Außen- wie für Innenansichten und bietet noch weitere Auswahlkriterien, die eines gemeinsam haben: Sie werden über ein Menü gesteuert, ohne dass Prompts erstellt werden müssen. Die Renderings, für die Agenturen bisher von der Bestellung bis zur Auslieferung eventuell Tage gebraucht haben, sind minutenschnell verfügbar und lassen sich dann flexibel noch variieren und optimieren, im Zweifelsfall direkt während eines Kundengesprächs. Auch preislich können Agenturen nicht mithalten. Das günstigste Paket kostet aktuell 29 Euro pro Monat und ermöglicht bis zu 50 Renderings.
Hauptzielgruppe sind Architekturbüros und Projektentwickler, auch für Immobilienmakler ist das Angebot attraktiv. Eine Reihe zahlender Kunden hat es bereits angenommen, der Ende 2025 eingeleitete Kurswechsel ist also vorerst geglückt. Wie zukunftsträchtig das Geschäftsmodell ist, lässt sich gerade bei KI-Konzepten kaum prognostizieren, zu rasant entwickelt sich dieser Bereich. Startups wie VisioPlan müssen darauf setzen, mit branchenspezifischem Know-how immer einen Schritt voraus zu sein und das Angebot stets zu verfeinern. So ist angedacht, demnächst auch die Erstellung von Videos zu ermöglichen. Die lassen sich dann garantiert auch ohne VR-Brille anschauen.








