bools macht mathematische Optimierung mit KI zugänglicher
Bei der Schicht- und Einsatzplanung, der Verteilung von Ressourcen oder der Koordinierung von Programmabläufen gilt: Je mehr Faktoren zu beachten sind, desto komplizierter wird es und damit ein Fall für die mathematische Optimierung. Das Startup bools macht dieses Verfahren mithilfe nun KI für alle verfügbar und sucht für einen Betatest gerade geeignete Partner.
Schon als Gymnasiast Startup-Luft geschnuppert
Alle, die die Erinnerung an den Mathematikunterricht nicht verdrängt haben oder sogar Spaß an dem Fach in der Schule hatten, kennen vielleicht noch den Begriff Boolesche Algebra. Bei der spielt das Entweder-Oder-Prinzip eine wichtige Rolle, ein binäres Prinzip, wie auch Grundlage der Computertechnologie mit seinen Nullen und Einsen. Ein Startup, das den Namen bools trägt, ist offensichtlich tief in der Mathematik verwurzelt. Dabei machte der Gründer Justus Wolff seinen ersten Schritt in die Startup-Welt mit einem ganz anderen Projekt. Noch als Gymnasiast entwickelte er 2015 einen Schutzkontaktstecker, der Menschen mit einer Sehbehinderung das Finden der Löcher einer Steckdose erleichtert. Unterstützung bekam er damals vom Startup Dock der TU Hamburg und dem 3D-Druck-Startup myprintoo.
In ein Geschäftsmodell überführen lies sich das Projekt allerdings nicht. Als Justus sein Studium am renommierten Karlsruher Institut für Technologie (KIT) aufnahm, konnte er es daher nicht weiter verfolgen. Stattdessen tauchte er tief in die Welt der Zahlen ein und beschäftigte sich vor allem mit der mathematischen Optimierung. Seinen Masterabschluss machte er an der Universität von Edinburgh mit dem Thema „Operational Research“. Hier kommt die mathematische Optimierung zur praktischen Anwendung. Ein beliebtes Beispiel ist das „Briefträgerproblem“. Hier geht es darum, für eine Person, die nacheinander viele verschiedene Orte aufsuchen muss, die optimale Route zu berechnen. Auch das „Scheduling-Problem“ steht auf dem Lehrplan. Hier geht es darum, zeitliche Abläufe zu optimieren, ein Spezialthema von bools.

bools bringt höhere Mathematik in die KI
Beruflich beschäftigte sich Justus nach dem Studium zunächst allerdings mit anderen Dingen. Für ein Stuttgarter Startup entwickelte er unter anderem ein Betrugserkennungssystem, das mit KI arbeitete. Die spielt auch eine wesentliche Rolle bei der Geschäftsidee, die er schon länger in sich trug und seit November 2025 mit bools in die Tat umsetzen möchte. Large Language Models (LLMs) wie ChatGPT haben in den letzten Jahren einen rasanten Aufstieg erfahren, fast jeder nutzt sie inzwischen. Bei der Texterstellung leisten sie auch wertvolle Dienste, bei der Lösung mathematischer Probleme stoßen sie aber schnell an ihre Grenzen.
Justus hatte festgestellt, dass Unternehmen mathematische Optimierung nicht in dem Umfang nutzen, wie es ihnen eigentlich guttun würde. Mit bools will er ihnen den Zugang zu dieser Methode, indem er ein LLM mit einer komplexen Berechnungssoftware verbindet. Die Beauftragung erfolgt wie gewohnt über eine Texteingabe, spezielle mathematische Kenntnisse sind also nicht erforderlich. Allerdings müssen die Daten in einer geordneten und logisch verwertbaren Form vorliegen. Gut gepflegte Excel-Tabellen, deren Inhalte miteinander korrespondieren, erfüllen da schon ihre Aufgabe.
Bereit für die ersten Pilotprojekte
Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig. So hatte Justus bei einer Konferenz einen Beitrag vom Fernsehsender ZDF Info gesehen, wo es um die Programmplanung mit mathematischer Optimierung ging. Solche Aufgaben kann bools auch übernehmen. Einen echten Partner hat das Startup bisher noch nicht gefunden, auch wenn die Software bereits voll funktionsfähig ist und auch schon mehrfach auf Interesse stieß. bools kann unkompliziert per Schnittstelle implementiert werden und verfügt über eine leicht verständliche Nutzeroberfläche. Als Vorbildunternehmen nennt Justus n8n, eine Automatisierungsplattform aus Berlin, die sich zu einem Einhorn mit mehrfacher Milliardenbewertung gemausert hat. Davon ist bools noch sehr weit entfernt, aber vielleicht kann es ja der mathematischen Optimierung noch eine zusätzliche Bedeutung hinzuzufügen.
Fotos: bools


