Es ging heiß her beim Hamburg Innovation Summit 2026!
Dass es beim Hamburg Innovation Summit (HHIS) heiß hergeht, lässt sich grundsätzlich behaupten, aber bei der diesjährigen Ausgabe galt das ganz besonders. Das lag nicht nur am Sommerwetter, sondern auch am Programm, das so umfangreich und vielfältig wie noch nie war. Startups spielten dabei eine wichtige Rolle, vor allem bei den Hamburg Innovation Awards. Dabei wurde deutlich: Wer mit einem Medizinthema antritt, ist kaum zu schlagen.
Wenn die Frage gestellt wird, in welchem Innovationsbereich Hamburg besonders gut aufgestellt wird, lautet eine der ersten Antworten regelmäßig: Quantencomputing. So auch bei dem Eröffnungstalk des HHIS, wo Wirtschaftssenatorin Dr. Melanie Leonhard die politische Seite vertrat. Die war ansonsten weniger präsent als in den vorherigen Jahren, der Erste Bürgermeister, sonst Stammgast, war nicht erschienen. Schon bei diesem ersten Programmpunkt stand ein weiteres Thema im Mittelpunkt, das in diesem Beitrag noch häufiger auftauchen wird: Die Welt der Medizin und Biotechnologie und ihre Startups.

Startups gegen HIV und Alzheimer
Als herausragendes Beispiel diente das PROVIREX. Das 2019 gegründete Unternehmen hat seine Heimat im tecHub Bahrenfeld gefunden und arbeitet dort ein einer HIV-Therapie, die eine echte Heilung verspricht. Bisher ist die Krankheit zwar gut behandelbar, aber nicht heilbar. Das gilt auch für Alzheimer. Treten die ersten Symptome auf, ist es zu spät; der geistige Verfall kann dann höchstens noch abgeschwächt, aber nicht gestoppt oder gar rückgängig gemacht werden. Das StartUp VitaSeq hat nun ein Verfahren entwickelt, mit dem die Veranlagung für Alzheimer erkannt werden kann, bevor die Krankheit ausbricht, was Präventivmaßnahmen ermöglicht.
Dr. Sanaz Bahari Javan setzte sich damit bei einem Gründerinnen-Pitch, den IFB Innovationsstarter, Startup CityHamburg und Hamburg Investors Network gemeinsam veranstaltet hatten. Ebenfalls am Start waren dort Yelda Nur Demirdöğen, die mit ihrem Startup exaere, das eine Methode für das Recycling von seltenen Erden zu bieten hat, schon mehrfach bei Pitches für Aufsehen gesorgt hat, zuletzt mit dem Sieg bei Female StartAperitivo. Und Anusha Akkina, die mit ihrem KI-Startup Aurelytix Ordnung in die Finanzdaten von Unternehmen bringt. Ihren Auftritt hatten sie in der Startup Area, aber auch an vielen anderen Orten des HHIS waren Startups zu sehen und zu hören.

2.200 kamen zum Klassentreffen Hamburg Innovation Summit
Schauplatz war wie in den vergangenen beiden Jahren das Oberhafenquartier mit einer genutzten Expo-Fläche von 1.800 Quadratmetern. Das Geschehen verteilte sich auf acht Hallen unterschiedlicher Größe. Das machte es zu einem Event relativ langer Wege, auf denen die Wahrscheinlichkeit groß war, auf gute alte Bekannte aus der Startup-Szene zu stoßen. „Klassentreffen“ ist daher ein Begriff, der häufiger im Zusammenhang mit dem HHIS fällt. Das wäre wohl noch größer ausgefallen, hätten nicht parallel das Waterkant Festival in Kiel und die VivaTech in Berlin stattgefunden. Aber auch so reichte es zu einer neuen Rekordbeteiligung von rund 2.200.
Vergangenes Jahr konnte auf dem Summit verkündet werden, dass Impossible Founders den Zuschlag als eine von zehn neuen Startup Factories in Deutschland erhalten hatte. 2026 trat die Deep Tech-Förderinitiative als Goldpartner des HHIS in Erscheinung. Inzwischen hat sie einiges zum Hamburger Startup-Ökosystem beigetragen, beispielsweise durch ihr Hackathon-Format iF Sprint, dessen nächste Ausgabe vom 3. bis 5. Juli stattfindet. Bei der Premiere entstand unter anderem das Startup GravNav, dass es bis ins Finale der Hamburg Innovation Awards geschafft hat. Mit einem manipulationssicheren Navigationssystem, basierend auf der Erdgravitation, trat es in der Kategorie „International“ an für Gründer, deren erste Heimat nicht Deutschland ist. Gewonnen hat hier ReductStore, das bei der Bewältigung großer Datenmengen in der Robotik und dem Internet of Things hilft. Außerdem dabei war Kolsetu mit einer KI-Assistentin, die über 100 Sprachen spricht.

Stress und Aneurysmen als Siegerthemen
In den anderen beiden Kategorien setzten sich, wie schon angedeutet, Startups aus dem Bereich Gesundheit durch, bei „Ideation“ für ganz junge Unternehmen blieben sie im Finale sogar unter sich. Lunar hilft Menschen, die kaum oder gar nicht sehen können, indem es nur visuell abrufbare Informationen in gesprochen Text umwandelt. SYMS Biodynamics analysiert mithilfe eines tragbaren Sensors und KI den Gang und kann so beispielsweise Rückenbeschwerden vorbeugen. Bei Stress erzeugt der Körper Cortisol, zu viel davon kann eine Reihe von Beschwerden auslösen. Nachweisen lässt sich das Hormon unter anderem im Schweiß. Genau das tut visflo mit einem Sensor, der sich wie ein Pflaster tragen lässt, und jederzeit das Stresslevel ausweist. Dafür gab es den ersten Platz.
Den sicherte sich auch Aortex in der Kategorie „Start“ für schon etwas etabliertere Startups. Der Stentgraf zur Behandlung von Aneurysmen, der gegenüber herkömmlichen Modellen kleiner ist und schneller individuell hergestellt werden kann, hat schon mehrfach für Preise gesorgt, unter anderem beim Gründergeist 2025. Bei insgesamt über 80 Bewerbungen und nur drei Finalplätzen pro Kategorie mussten sich auch Universal Carbon und hackers&wizards als Verlierer fühlen. Gegen eine Leben rettende Medizintechnologie haben es auch ein Verfahren zur CO2-Abscheidung und ein Angebot für die KI-Fitness von Teams in Unternehmen schwer.








