HydroMapper ist Schäden an Bauwerken auf der Spur
Der Zahn der Zeit nagt unerbittlich an allem, nicht zuletzt auch an Bauwerken. Gerade unter Wasser sind Mängel und Schäden oft nur schwer und mit großem Aufwand zu entdecken. Das Startup HydroMapper geht mit komplexer Technologie und künstlicher Intelligenz auf Spurensuche und hat nach dem deutschen nun den amerikanischen Markt im Visier.
Ein Startup mit Vorgeschichte
HydroMapper wurde 2017 gegründet, aber in gewisser Hinsicht lässt sich die Geschichte des Unternehmens bis ins Jahr 1942 zurückverfolgen. Da eröffnete nämlich Dr.-Ing. Fritjof Wachendorf in Hamburg sein Ingenieursbüro. Über mehrere Etappen wurde daraus WK Consult, wobei das W nach wie vor für Wachendorf steht. WK Consult beschäftigt heute mehr als 170 Mitarbeitende an drei Standorten und realisiert unter anderem Bauprojekte für Brücken und am Wasser stehende Gebäude. Auch die Bauwerksprüfung gehört zu den Kernaufgaben. Vor diesem Hintergrund entstand HydroMapper als Joint Venture mit einem Hamburger Vermessungsbüro. Mittlerweile ist WK Consult alleiniger Gesellschafter und HydroMapper agiert als eigenständige GmbH.



Karsten Holste (CEO), Berit Jost (CTO) und Tammo Denkena (COO)
Als der Bauingenieur Karsten Holste im März 2017die HydroMapper GmbH gründete, hatte er bereits mehr als 15 Jahre für WK Consult gearbeitet und kannte daher ganz genau die Herausforderungen, die bei der Inspektion von Bauwerken und speziell ihren unter Wasser stehenden Teilen auftreten. Die flächige Datenerfassung eines etwa einen Kilometer langen Kaimauerabschnitts hat früher mitunter Tage in Anspruch genommen; mittlerweile kann sie mit moderner Messtechnik innerhalb einer Stunde erfolgen.
HydroMapper baut auf drei Forschungsprojekten auf
Diese Entwicklung ist eng verbunden mit drei Forschungsprojekten, auf denen HydroMapper basiert. Das erste Projekt lieferte als Ergebnis die multisensorische Bauwerksvermessung. Dabei kommt ein Messboot zum Einsatz, das über einen Laserscanner sowie ein selbstentwickeltes Multikamerasystem verfügt. Die Kameras erfassen Bauwerksoberflächen aus unterschiedlichen Perspektiven. Aus den Aufnahmen lassen sich hochauflösende, dreidimensionale Bauwerksmodelle erzeugen. Damit kann man sichtbare Schäden wie Risse im Millimeterbereich, Korrosion, Abplatzungen, Feuchtflächen und andere Oberflächenschäden erkennen. Unter Wasser werden die Messungen mit einem Sonarsystem durchgeführt. Das erzeugt eine 3D-Punktwolke, die Veränderungen und Anomalien an Spundwänden, Kaimauern und Fundamenten sichtbar macht. Hier können dann Taucher gezielt eingesetzt werden.

Das zweite Projekt führte zur Entwicklung einer Cloud-Plattform, auf der die Messdaten zusammengeführt und ausgewertet werden. Sie trägt heute den Namen InfraCloud. Bei Projekt Nummer drei geht es darum, das vorhandene Datenmaterial für weitere Serviceangebote zu nutzen und die Verwendung von KI zu intensivieren. 2022 war das erste Jahr, in dem HydroMapper als Anbieter einer Softwarelösung in Erscheinung trat und damit ein neues, skalierbares Geschäftsmodell präsentierte. Die InfraCloud kann auch Daten beispielsweise aus Drohnenflügen von externen Dienstleistern aufnehmen und verarbeiten, sofern diese gewisse Qualitätsstandards erfüllen. In der InfraCloud werden 3D-Modelle, Punktwolken, Bilddaten und weitere Bauwerksinformationen zusammengeführt. Die im digitalen Bauwerksmodell räumlich verorteten Schäden lassen sich anhand hinterlegter Schadenskataloge klassifizieren und strukturiert dokumentieren. Die Plattform unterstützt zudem die Erstellung von Prüfberichten und die Planung von InstandsetzungsmaßnahmenAus
Eine vielseitig und international einsetzbare Plattform
Die zunächst für Kaimauern und Hafenanlagen konzipierte Plattform lässt sich inzwischen auch für Brücken und Gebäude nutzen. Grundsätzlich ist ein digitaler Zustandsübersicht für sämtliche Arten von Bauwerken erstellbar. Zu Aufträgen führt unter anderem die vorgeschriebene Bauwerksprüfung nach DIN 1076. Infrastrukturbetreiber haben eine Verkehrssicherungspflicht; so findet bei Brücken alle sechs Jahre eine Hauptprüfung statt. Zu HydroMappers Kunden zählen die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung, Hafen- und Infrastrukturkonzerne, die Autobahn GmbH, Kommunen, Industrieunternehmen und weitere Betreiber von Brücken, Hafenanlagen, Straßen und Logistikflächen.

Das Team von HydroMapper, das aktuell aus 25 Personen besteht, war schon in fast allen Teilen Deutschlands aktiv und wird sich auch in Zukunft über einen Mangel an potenziellen Aufträgen keine Sorgen machen müssen. Viele Bauwerke stammen aus den 1950er bis 1970er Jahren und sind inzwischen stark renovierungsbedürftig. 19.000 Brücken seinen allein in Deutschland betroffen, sagt Holste, weltweit könnten es viele Hunderttausend sein. HydroMapper richtet seinen Blick inzwischen auch auf internationale Märkte. Im Jahr 2026 führte das Unternehmen bereits erste Vermessungsarbeiten in Florida durch und bereitet den weiteren Markteintritt in den USA vor. Der US-Markt steht im Fokus, weil dort der Bedarf besonders groß ist. In Europa gelten in jedem Land andere Regularien und Schadenskatloge, weshalb hier die Markterschließung schrittweise und über ein Partnernetzwerk erfolgen soll. Bei all dem hilft natürlich die Expertise und Erfahrung der Muttergesellschaft WK Consult, die wiederum vom technologischen Know-how von HydroMapper profitiert.
Fotos: HydroMapper


