Treatly trägt die Kreislaufwirtschaft im Herzen
Es muss nicht immer Deep Tech oder KI sein: Manchmal kann auch ein Startup zum Erfolg werden, das ganz praktisch Alltagsprobleme löst. Daran glaubt zumindest das Gründungsduo von Treatly, das mit einem Abhol- und Lieferservice für die Reinigung von Kleidung gestartet ist und zu einer Dienstleistungsplattform für den nachhaltigeren Umgang mit Alltagsgegenständen werden will.
Es gibt sicherlich Menschen, die sich gern um das Waschen ihrer Klamotten kümmern, doch die dürften in der Minderheit sein. Erst recht gilt das fürs Bügeln. Als Alternative bleibt der Gang zur Reinigung, doch die findet sich längst nicht bei jedem um die nächste Ecke. In dem Fall wäre da eine Art Lieferdienst da die Lösung. Seit Mai 2025 gibt es in Hamburg einen Anbieter namens Treatly, der genau diese Idee aufgreift. Das Startup holt schmutzige Wäsche ab und bringt sie gereinigt wieder zurück, innerhalb von 48 Stunden und in dringenden Fällen und gegen Aufpreis sogar am selben Tag.
Zwei Gründer, die sich im Internet fanden
Einer der Gründer von Treatly ist Dorian Lipaj. Er hat an der Brand University of Applied Sciences Design und Marketing studiert, als Freelancer gearbeitet und schon einige Erfahrungen als Unternehmer gesammelt. Mr Wipe hieß sein erstes Startup, hatte sich auf die Reinigung und Reparatur von hochpreisigen Sneakern spezialisiert und durchaus Aufmerksamkeit inklusive Medienpräsenz erzielt. Das reichte allerdings nicht für ein dauerhaft tragfähiges Geschäftsmodell, dafür war die Zielgruppe zu klein.

Bei Treatly dürfte das anders sein, darauf setzt auch der andere Gründer, Frederic Bierbaum. Der Softwareentwickler war ebenfalls freiberuflich unterwegs und hatte schon lange mit dem Gedanken gespielt ein eigenes Unternehmen zu gründen. Kennengelernt haben er und Dorian sich über eine Gründerplattform im Internet und schnell festgestellt, dass sie sich nicht nur fachlich ergänzen, sondern auch persönlich gut zusammenpassen. Das war im März 2025, und schon zwei Monate später gingen sie mit Treatly online. Möglich war das, weil sie ihre Prozesse so schlank wie möglich gestaltet haben.
Mit einem nachhaltigen Konzept einen Platz im Körber Start-Hub gefunden
So übernehmen sie selbst nicht die Reinigung, sondern überlassen das einem etablierten Unternehmen mit mehr als 15 Jahren Erfahrung. Bei der Gestaltung der Webseite gehen Funktionalität und Nutzerfreundlichkeit vor optischer Opulenz. Und die Aufgabe des Wäschekuriers übernimmt Dorian momentan noch persönlich. Möglich macht das die Fokussierung auf Kooperationen mit Unternehmen und Hotels, die ihren Mitarbeitenden beziehungsweise Gästen den Reinigungsdienst anbieten. So kann Dorian bei einer Tour gleich eine größere Menge an Kleidung abholen und zurückbringen. Einzelpersonen können den Service aber selbstverständlich ebenfalls nutzen. Weit mehr als 1.000 Teile sind über Treatly bereits gereinigt worden, die Wiederkehrrate auf Kundenseite liegt bei gut 50 %.
Eine Alleinstellung nimmt das bisher auf Hamburg beschränkte Startup mit seinem Geschäftsmodell nicht ein, als bundesweiter Anbieter hat zum Beispiel Jonny Fresh einen Vorsprung. Treatly ist aber überzeugt davon, dass der Markt groß genug für mehrere Teilnehmer ist, und außerdem sind die Gründer dabei, ihr Geschäftsfeld erheblich auszuweiten. Das brachte Treatly auch einen Platz im 3. Batch des vom Körber Start-Hub organisierten Next.Generation Inkubators ein, der seit Oktober 2025 ein einjähriges Förderprogramm durchläuft. Auf den Hub waren Dorian und Frederic auf der Suche nach einem günstigen Platz zum Arbeiten gestoßen. Eine Bedingung für die Aufnahme in den Inkubator ist die Erfüllung mindestens eines der Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der Vereinten Nationen.
Treatly will zum Amazon für Dienstleistungen werden
SDG Nummer 12 handelt von nachhaltigem Konsum, ein Ziel dem sich auch Treatly verschrieben hat. Er- und behalten statt wegwerfen und neu kaufen lautet das Motto, oder „Wir tragen die Kreislaufwirtschaft im Herzen“, wie Dorian erklärt. In gewisser Weise greift er seine Idee von Mr Wipe wieder auf, nur in größerem Stil. Langfristig möchte Treatly Europas erste Multi-Service-App für Alltagsgegenstände etablieren, mit einem Service aus Reinigung, Reparaturen und Änderungen auf Knopfdruck, für alles von Kleidung bis Elektronik. Oder, noch pointierter formuliert, zum „Amazon für Dienstleistungen“ werden. Bereits für das erste Quartal 2026 sind neue Reparatur- und Änderungsangebote für Bekleidung geplant, geeignete Partner sind bereits gefunden.
Wenn Treatly Erfolg hat, profitieren viele davon. Kundinnen und Kunden, die Zeit und Wege sparen und seltener auf den Gedanken kommen, kaputte Geräte einfach wegzuwerfen; kleine Handwerksbetriebe, die ihren Kundenkreis erweitern; und die Umwelt, die durch weniger Müll belastet wird. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, der ohne erhebliche finanzielle Anstrengungen kaum zu bewältigen scheint. Seit September 2025 ist eine große Privatbank als Partner an Bord, zusätzlich wären jetzt Business Angels willkommen, die auch branchenspezifisches Know-how einbringen. Also vor allem in Sachen Aufbau einer E-Commerce-Marke mit der dazugehörigen Infrastruktur. Als Belohnung winkt die Aussicht auf hohe Rendite oder zumindest immer saubere Wäsche.
Foto: Treatly








