Wenn Startups die Besitzer wechseln
Übernahmen und Exits sind nichts Ungewöhnliches in der Startup-Szene, Rückkäufe dagegen eine Seltenheit. In der vergangenen Woche gab es gleich drei Beispiele dafür, wie sich bei Startups die Besitzverhältnisse ändern können. Wir fassen die Ereignisse bei Ankerkraut, aiomatic und helden.de zusammen.
Ankerkraut: einmal Nestlé und zurück
Das Gewürz-Startup Ankerkraut sorgt schon mehrfach bundesweit für Schlagzeilen, etwa mit dem Deal bei „Die Höhle der Löwen“ und dem umstrittenen Verkauf an Nestlé. Jetzt war es wieder so weit: Kaum ein Medium, dass nicht den überraschenden Rückkauf durch das Gründungspaar thematisierte und kommentierte. Wir zitieren die wichtigsten Passagen aus der offiziellen Pressemitteilung:
„Die Gründer der Gewürzmarke Ankerkraut, Anne und Stefan Lemcke, kaufen ihre Unternehmensanteile von Nestlé zurück. Beide Seiten haben sich einvernehmlich auf diesen Schritt verständigt. Mit der Rückkehr in Gründerhand beginnt für Ankerkraut ein neues Kapitel. Ziel ist es, die Marke künftig wieder unabhängig weiterzuentwickeln und dabei besonders an ihre ursprüngliche Identität und die unternehmerischen Wurzeln anzuknüpfen. ‚Ankerkraut ist für uns mehr als ein Unternehmen – es ist unser Lebenswerk‘, sagen Anne und Stefan Lemcke. ‚Wir haben in den vergangenen Jahren viel gelernt und bedanken uns für die konstruktive Zusammenarbeit mit Nestlé. Jetzt freuen wir uns darauf, die Marke wieder selbst weiterzuentwickeln und ein neues Kapitel für Ankerkraut aufzuschlagen.“

„Künftig wird das Unternehmen ohne externe Gesellschafter geführt: Neben den Gründern werden auch die langjährigen Geschäftsführer Timo Haas und Alexander Schwoch Anteile am Unternehmen halten und Ankerkraut weiterhin vom Standort Hamburg aus operativ führen. Damit bleibt die Kontinuität für Mitarbeitende, Handelspartner sowie Kundinnen und Kunden gewährleistet. Über die finanziellen Details der Transaktion wurde Stillschweigen vereinbart.“ Bei der Übernahme durch Nestlé im Jahr 2022 war von einem dreistelligen Millionenbetrag die Rede. Offiziell bestätigt wurde das allerdings nicht.
Pumpenhersteller KSB erhöht Beteiligung an aimomatic
In die andere und damit üblichere Richtung geht der Weg bei aiomatic. Das Startup, das mithilfe künstlicher Intelligenz Maschinenausfälle in der Industrieproduktion prognostiziert, hatte bereits 2024 in einer Finanzierungsrunde 2 Millionen Euro eingesammelt. Damals war unter anderem KSB beteiligt. Jetzt der Hersteller von Pumpen und Armaturen kräftig nachgelegt.

In einer Pressemitteilung heißt es: „Das Unternehmen baut seine strategische Partnerschaft mit aiomatic deutlich aus und erhöht seine Beteiligung an dem Hamburger KI-Startup von bisher 5 Prozent auf nun 47 Prozent. Mit dem Schritt vertieft KSB die Zusammenarbeit im Bereich KI-gestützter Serviceplattformen. KSB bietet mit dem KSB Guard Monitoring Service bereits jetzt eine etablierte Lösung zur Pumpenüberwachung. Die Technologie von aiomatic erweitert diesen Ansatz auf komplette Maschinenparks bis hin zu ganzen Industrieanlagen.“
In einem Beitrag des Handelsblatt war von einer vollständigen Übernahme in drei Jahren die Rede. Für das rund 30-köpfige, in Hamburg ansässige Team ändert vorerst nichts. Der Standort bleibt erhalten und aiomatic wurde weitgehende Handlungsfreiheit zugesagt. Zugleich erhofft man sich hier starke Synergieeffekte vor allem im Vertrieb. „Die erhöhte Beteiligung von KSB ist für uns ein starkes Signal und bestätigt den gemeinsamen Weg. Unsere Vision ist es, Predictive Maintenance einfach, skalierbar und für industrielle Unternehmen schnell nutzbar zu machen – ohne komplexe IT-Projekte“, sagt Lena Weirauch, CEO und Mitgründerin von aiomatic. „Gemeinsam mit KSB bringen wir diese Vision nun deutlich schneller in den Markt.“
Getsafe übernimmt helden.de
Gleich die Komplettübernahme von helden.de und dessen mehr als 100.000 Policen verkündet das Heidelberger InsurTech-Unternehmen Getsafe. Seit seiner Gründung im Jahr 2016 hat helden.de, festartet unter den Namen Haftpflicht Helden, rund 25 Millionen Euro Kapital eingeworben und ein profitables Versicherungsportfolio aufgebaut. Dieses Portfolio wird nun vollständig in die bestehende Getsafe-Plattform integriert. Für Getsafe ist dies die zweite Übernahme eines digitalen Versicherers. Im Jahr 2023 akquirierte das Unternehmen Luko Germany mitsamt 50.000 Verträgen.

„Mit helden.de stärken wir unsere Position als führende digitale Versicherungsplattform in Deutschland“, sagt Christian Wiens, Mitgründer und CEO von Getsafe. „Wir haben eine Integrationskompetenz aufgebaut, die im deutschen Versicherungsmarkt einzigartig ist: Unsere Plattform ist darauf ausgelegt, Versicherungsbestände schnell zu integrieren und für Kunden spürbar besser zu machen. Jeder Bestand, der zu unserer Zielgruppe passt, ist ein potenzieller Baustein für unsere Plattform.“ Mit mehr als 500.000 Kunden ist Getsafe einer der größten digitalen Versicherungsanbieter in Deutschland. Er beschäftigt rund 150 Mitarbeitende an den Standorten Heidelberg und Berlin. Wie es im Detail bei helden.de weitergeht, wurde nicht veröffentlicht.








