Nebenkostenprofi deckt Fehler in der Nebenkostenabrechnung auf
Deutschland ist ein Land der Mieterinnen und Mieter, und viele von ihnen hatten sicherlich schon einmal den Verdacht, dass etwas mit ihrer Nebenkostenabrechnung nicht stimmen könnte. Zu Recht, denn tatsächlich passieren hier viele Fehler. Das Startup Nebenkostenprofi sorgt mithilfe von KI für Aufklärung und übernimmt auch alle rechtlichen Schritte beim Widerspruch. Dabei liegt der Fokus zunächst auf gewerblichen Immobilien.
KI-Agenten sind eines der heißesten Startup-Themen der letzten zwei Jahre. Auch Lennart Rugen und Robert Hey, die beide Wirtschaftsinformatik an der Uni Hamburg studiert haben, dachten ernsthaft über eine Gründung in diesem Bereich nach. Den entscheidenden Anstoß für die Geschäftsidee gab ein unerfreuliches Schreiben: Robert erhielt im 1. Halbjahr 2025 als Mieter eine Nebenkostenabrechnung, die offensichtlich um rund 1.000 Euro zu hoch angesetzt war. Zweifellos würde er mit einem Widerspruch Erfolg haben, doch der Weg dahin war mühsam.
Fehler bei der Nebenkostenabrechnung sind praktisch unvermeidlich
Das war kein Einzelfall, im Gegenteil. Laut einer Aussage des Deutschen Mieterbunds sind bis zu 50 % der Nebenkostenabrechnung betroffen. Über 21 Millionen Miethaushalte gibt es in Deutschland, die Dimension des Problems lässt sich da leicht ausrechnen. Schätzungen gehen von über 3 Milliarden Euro jährlich aus. Dabei steckt in den allermeisten Fällen keine böse Absicht hinter den zu hohen Forderungen. Ursache sind vielmehr die Komplexität der Rechtslage und sich ändernde und individuell gestaltete Mietverträge, die ein pauschal gültiges Abrechnungsverfahren praktisch unmöglich machen.
Eine häufige Fehlerquelle ist beispielsweise die Umlagefähigkeit. Darunter versteht man die rechtliche Möglichkeit eines Vermieters, laufende Betriebskosten einer Immobilie auf den Mieter umzulegen. Auch bei den Heiz- und Stromkosten kann es leicht zu Irritationen kommen. Für Laien ist das oft aber gar nicht erkennbar, es besteht höchstens ein Bauchgefühl, dass da etwas nicht stimmen könnte. Lennart und Robert hatten nun die Idee, KI für die Prüfung von Nebenkosten- und Betriebskostenabrechnungen einzusetzen, und gründeten auf dieser Basis ihr Startup Nebenkostenprofi.

Nebenkostenprofi übernimmt den gesamten Prozess
Für ihre KI arbeiten sie mit bestehenden Modellen, nutzen sie für ihre Zwecke und erschufen eine Reihe von Agenten für die Überprüfung und Bewertung der Daten und Fakten. Damit war die Arbeit aber längst noch nicht getan, denn Nebenkostenprofi will ein Rundum-Sorglos-Paket anbieten. Soll heißen: Die Kunden können die zu reklamierende Nebenkostenabrechnung und die damit im Zusammenhang stehenden Verträge hochladen und müssen sich dann um nichts mehr kümmern. Das Startup übernimmt alle weiteren Schritte, im Ernstfall bis zum Prozess. Dafür ist Nebenkostenprofi eine Partnerschaft mit einer Anwaltskanzlei eingegangen und hat sich eine Inkassolizenz gemäß dem Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG) besorgt.
Bis alles geregelt war, dauerte es einige Monate, doch im November 2025 konnten Lennart und Robert bereits erste Prüfungen durchführen. Zur Jahreswende konkretisierten sie ihre Geschäftsidee und konzentrierten sich zunächst auf gewerbliche Mieter. Die Chance, mit einer überschaubaren Zahl von Kunden schnell zu wachsen, ist hier deutlich größer. Im Fokus stehen unter anderem Unternehmen mit einer Reihe von Filialen und Standorten, etwa aus Einzelhandel, Gastronomie, Gesundheitswesen oder Logistik. Für sie bietet Nebenkostenprofi auch vergleichende Analysen über alle Standorte hinweg an. Das Vergütungsmodell besteht aus einer Kombination aus Fixum und Provision im Erfolgsfall, der hochwahrscheinlich ist.
Ein Startup mit sozialer Ader
Auch wenn sich das Startup momentan auf gewerbliche Kunden konzentriert, will es seinen Service perspektivisch allen Mietern anbieten. In Zeiten von Wohnungsmangel und steigenden Mieten sehen die Gründer darin auch eine soziale Aufgabe. Das Team vom Körber Start-Hub beurteilt das auch so und hat Nebenkostenprofi in seinen Next.Generation Inkubator aufgenommen. Nicht alle dort geförderten Projekte sind von vornherein auf Umsatz ausgerichtet, aber alle haben sich mit ähnlichen Herausforderungen auseinanderzusetzen. Auch Nebenkostenprofi profitiert von dem Austausch untereinander – und kann mit einer Nebenkostenprüfung vielleicht noch zusätzlich Gutes für die Körber-Community tun.
Foto: Claudia Höhne








