Aufbruchsstimmung in Harburg: traceless eröffnet Produktionsanlage
Aus einem gefeierten Startup wird ein Industrieunternehmen von internationalem Rang. So lässt sich in einem Satz die Geschichte von traceless zusammenfassen. Dementsprechend gut war die Stimmung bei der Eröffnungsfeier für die neue Produktionsanlage, in der im großen Stil eine pflanzenbasierte Alternative zu Plastik hergestellt wird.
Wer in der Politik tätig ist, muss in diesen Tagen häufig Rückschläge einstecken und bei öffentlichen Auftritten eher mit Buhrufen als mit Beifall rechnen. Für Bundesumweltminister Carsten Schneider und Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank dürfte daher ihr Auftritt bei der Eröffnungsfeier von traceless fast wie eine kleine Wellnesskur gewesen sein, schließlich herrschte dort beste Stimmung. Man war gekommen, um eines der erfolgreichsten Hamburger Startups und seine Gründerin, Dr. Anne Lamp, zu feiern. 2020 hatte es an der TU Hamburg in Harburg begonnen. Jetzt schließt sich der Kreis und traceless kehrt nach Harburg zurück, passenderweise in den Stadtteil Neuland.




Die Technologie von traceless ist weltweit führend
Neuland betritt das Startup, das mit seinen rund 110 Mitarbeitenden inzwischen Mittelstandsdimensionen erreicht hat, in der Tat. Die neue Produktionsanlage am insgesamt 4.000 Quadratmeter umfassenden Standort soll in ihrer Art weltweit sogar einzigartig sein. Dementsprechend wurde in den Reden mehrfach betont, wie bedeutend die Technologie von traceless nicht nur für Hamburg und Deutschland, sondern für ganz Europa sei. Das patentierte Verfahren verwandelt Abfälle aus der Agrar- und Lebensmittelindustrie in ein Granulat, das Plastik in vielen Fällen ersetzen kann. So waren die Löffel am Buffet aus der pflanzenbasierten Kunststoffalternative.

Auch für die Beschichtung von Papier eignet sich das Material. Marko Schuster, COO des international agierenden Papier- und Verpackungsherstellers Mondi, erinnerte an die Anfänge mit traceless. Der erste Kontakt war bereits im Gründungsjahr entstanden. Gemeinsam habe man die Produktentwicklung vorangetrieben und dabei auch teils kuriose Rückschläge überstanden, etwa, als die Beschichtung dicker war als das Papier selbst. Solch eine enge Zusammenarbeit zwischen Startup und Corporate ist ebenso ungewöhnlich wie vorbildlich.
Das Versprechen: weniger Umweltverschmutzung, weniger Importabhängigkeit
Das hängt sicherlich auch mit dem Potenzial und der Relevanz von traceless zusammen. Anne Lamp brachte in ihrer Begrüßungsrede einen drastischen Vergleich: Jede Minute lande Plastikmüll in der Größenordnung einer LKW-Ladung in den Meeren. Die Zersetzung dauert dort Jahrhunderte, während das traceless-Material – der Name deutet es schon an – rückstandslos kompostierbar ist. Zu dem Umweltschutzaspekt kommt noch ein weiterer Vorteil hinzu, der in den letzten Wochen anhand steigender Energiepreise und drohender Ölknappheit besonders deutlich geworden ist. Die Plastikalternative ist nicht auf den Import fossiler Rohstoffe angewiesen, sondern verwertet pflanzliche Reststoffe lokaler Zulieferer.

Harburg werde immer mehr zum Power-Stadtteil, meinte Katharina Fegebank. Mit der neuen Produktionsstätte, in die traceless mehr als 20 Millionen Euro investiert hat (gut 5 Millionen Euro kommen aus einem Fördertopf des Bundesumweltministeriums), gibt es hier zumindest eine neue Vorzeigeimmobilie. Und damit ist die Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen. Stand heute ist man in der Lage, 3.000 Tonnen jährlich herzustellen. Um das Wachstum weiter voranzutreiben, ist bereits der Bau einer weiteren Anlage geplant.









