forpeople – aus der Insolvenz zurück ins Weihnachtsgeschäft
Die Insolvenz ist nicht das Ende – diese Erfahrung durfte in diesem Jahr forpeople machen. Das auf Naturkosmetik spezialisierte Startup hatte eigentlich eine gute Entwicklung genommen, sich dann aber bei den Kosten übernommen. Dank eines engagierten Investors geht es seit November in neuer Konstellation weiter, rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft.
Als 2020 die Handcreme mit dem schönen Namen Daumenschmaus auf den Markt kam, war das eigentlich nicht gerade der ideale Zeitpunkt. Die Creme war nämlich für den Klettersport konzipiert und wegen der Covid-Pandemie hatten alle Kletterhallen geschlossen. Zum Glück war der Daumenschmaus grundsätzlich für Menschen mit trockenen Händen geeignet und Bioprodukte lagen im Trend, also verlief der Start für das junge Unternehmen, das damals 4peoplewhocare hieß, ausgesprochen vielversprechend. Die Ursprungsidee stammt von Benno Hinrichsmeyer, einem Kletterlehrer und Sportmasseur, der bei der Suche nach einer für seine speziellen Bedürfnisse geeigneten Handcreme einfach nicht fündig wurde.

Eine feste Creme mit Konzentration auf das Wesentliche
Also begann er in seiner Küche zu experimentieren, was zu dem einen oder anderen verstopften Abflussrohr führte, aber am Ende hatte er etwas entwickelt, was zunächst paradox klingt: eine feste Creme. Fest deshalb, weil das Produkt auf das sonst übliche Wasser und andere Füllstoffe verzichtet und sich auf fünf Zutaten beschränkt: Bienenwachs, Olivenöl, Sonnenblumenöl, Johanniskraut und Aloe Vera. Das Ergebnis kam im Freundeskreis so gut an, dass Benno und drei weitere Mitstreiter die Produktion professionalisierten und schließlich ihr Startup gründeten.
Der Vertrieb lief zunächst primär über den auf Bioprodukte spezialisierten Einzelhandel, zu den wichtigsten Partnern gehörte Alnatura. Die Umsätze entwickelten sich kontinuierlich, neue Produkte wie Sonnencreme und Lippenpflege kamen hinzu und 4peoplewhocare schien die Erfolgsformel gefunden zu haben. Doch dann brach der Ukrainekrieg aus, der wirtschaftliche Verwerfungen und eine hohe Inflationsrate zur Folge hatte. Das Konsumverhalten änderte sich, die Preissensibilität stieg und Nachhaltigkeit als Verkaufsargument trat in den Hintergrund. Das machte sich auch bei den Umsätzen bemerkbar.
Der Neustart als forpeople kam zu spät
Spätestens Mitte 2024 war klar, dass 4peoplewhocare seinen Kurs ändern musste, stärker in Richtung E-Commerce, denn der Einzelhandel schwächelte deutlich. Mit der Neuausrichtung einher ging die Umbenennung der Marke und ein aufgefrischtes Design. forpeople hieß das Startup jetzt. Am Markt kam das durchaus an, aber die Umsätze reichten nicht aus, um die wachsenden Verbindlichkeiten auszugleichen. Das Rebranding hatte viel Geld gekostet und das galt erst recht für die eigene Produktionsstätte, die bei der schwankenden Nachfrage längst nicht ausgelastet war. Im August 2025 mussten Marc Seipel und Fritz Hinrichsmeyer, die aus dem ursprünglichen Quartett übrig gebliebenen Gründer, Insolvenz anmelden.

Zum Glück traf sie dieser Schlag nicht völlig unvorbereitet. Schon Anfang des Jahres hatten sich die beiden bei einer Anwältin erkundigt, was im Fall der Fälle zu tun sei. Diese Anwältin konnten sie konsultieren, als sich der Schritt in die Insolvenz nicht mehr vermeiden ließ. Normalerweise dauert es nur wenige Tage, bis dann der Amtsgerichtbeschluss vorliegt. Bei forpeople vergingen allerdings drei Wochen voller Ungewissheit, vermutlich wegen der Sommerferien. Der dann eingesetzte Insolvenzverwalter gab eine positive Prognose ab: Das Geschäftsmodell sei grundsätzlich tragfähig und Interesse von Investoren vorhanden.
Ein prominenter Investor übernimmt
Ganz konkret war das Interesse von Wilfried Gillrath. Den ehemaligen CEO des Energieversorgungsunternehmens LichtBlick und vielfachen Investor mit Fokus auf Nachhaltigkeit und Impact haten die Gründer ebenfalls Anfang 2025 kennengelernt. Daher war auch keine langwierige Überzeugungsarbeit erforderlich, als es darum ging, die Besitzverhältnisse von forpeople neu zu ordnen. Ende Oktober wechselte das Unternehmen den Besitzer, Marc und Fritz agieren seither als Angestellte im ehemals eigenen Startup, haben aber weiterhin viel Handlungsspielraum.
So sind sie nach wie vor für die Rezeptentwicklung zuständig, die gesamte Produktion liegt dagegen jetzt bei dem fränkischen Unternehmen cosmondial, das über 15 Jahre Erfahrung aus dem Bereich Naturkosmetik mitbringt. Die Neuaufstellung von forpeople war und ist naturgemäß mit einigem Verwaltungsaufwand verbunden, sodass sich das Startup zurzeit erst bei 80 % seiner früheren Leistungsfähigkeit befindet. Die Umsätze lagen im November trotzdem über denen des Vorjahresmonats. Ziel ist es, möglichst schon im 1. Quartal 2026 Rentabilität zu erreichen. Gelingen soll das unter anderem durch eine geringere Personalstärke. Zur Hochzeit, als das Startup noch eine eigene Produktionsstätte betrieb, bestand das Team aus 15 Personen. Momentan sind es noch sechs, wobei die Insolvenz nicht der Grund für die Reduzierung war.

Zu Weihnachten verpacken die Gründer selbst
Den Umsatz ankurbeln sollen neue Produkte wie eine Pechsalbe mit Lärchenharz, die zur Wundheilung beträgt. Zudem gibt es schon länger eine Neuausrichtung beim Marketing. Thematisch geht es weg von der Nachhaltigkeit und hin zu Qualität und Wirksamkeit. Auch der geringere Verbrauch, der sich durch den Verzicht auf Füllstoffe ergibt, soll noch mehr in den Vordergrund gestellt werden. Das ist erklärungsbedürftig, weshalb forpeople jetzt Kooperationen mit Influencern anstrebt, die beispielsweise aus dem Sportbereich kommen. Momentan gibt das Weihnachtsgeschäft Anlass zur Hoffnung. Marc und Fritz legen beim Verpacken selbst Hand an, und wer bis zum 18. Dezember bestellt, hat die Pflegeprodukte des Startups garantiert am Heiligabend auf dem Gabentisch.
Fotos: forpeople, Max Osetskyy (Gründerporträt)








