OMR 2026 – das Beste von „State of the Internet“
Auch 2026 hat das OMR Festival wieder Zigtausende nach Hamburg gelockt, die dort die Businesskontakte ihres Lebens knüpfen und sich über die heißesten Trends aus der Digitalwelt informieren wollten. Für Letzteres eignete sich mal wieder besonders gut der Programmklassiker „State of the Internet“, der wegen der hohen Nachfrage in diesem Jahr gleich zweimal über die größte Bühne ging. Für alle, die nicht dabei sein konnten oder noch einmal eine Zusammenfassung haben möchten – hier ist sie!
Darum gehören Hochzeiten und Google zu den Gewinnern…
Früher hieß das übrigens „State of the German Internet“, aber da es immer schon um internationale Trends ging, fiel das „German“ dieses Jahr weg. Ansonsten blieb es beim bewährten Ablauf. Den Anfang machte OMR-Gründer Philipp Westermeyer, der sich die Gewinner und Verlierer des Jahres vornahm. Auf der Gewinnerseite verortete er Gründerinnen und Gründer unter 30. Als Beispiel nannte er unter anderem Luana Lara Lopes von der 2021 gestarteten Wettplattform Kalshi, von der auch an anderer Stelle noch die Rede sein wird. Ihr Unternehmen hat eine Bewertung von 22 Milliarden US-Dollar.
Zu den vom OMR-Team ermittelten Gewinnern gehören auch Themenparks. Nicht nur Klassiker wie Disneyworld, sondern vor allem neue Parks beispielsweise von Netflix oder Anbietern von Videospielen. Ein analoges Gegenbeispiel aus Deutschland sind Karls Erdbeerhöfe, die sich ebenfalls großer Beliebtheit erfreuen. Genau wie das Thema Hochzeiten, dass in den sozialen Medien durch die Decke geht. Auslöser war das Verlobungsfoto von Taylor Swift und Travis Kelce. Aus einem unerwarteten Grund landete schließlich Google in der Gewinnerkategorie: In den letzten beiden Jahren stellte das Unternehmen nicht weniger als fünf Nobelpreisträger.

…und Wettanbieter und Informatik zu den Verlierern
Mit Verlieren mag man sich ja nicht so gerne umgeben, deshalb hier die Kandidaten aus dieser Kategorie im Schnelldurchlauf. Da wäre zunächst die Hoffnung, dass sich bestimmte politische Entscheidungen und Entwicklungen positiv oder negativ auf Börsenkurse auswirken. Passiert seltener als man denkt, wetten sollte man darauf nicht. Stichwort Wetten; klassische Anbieter von Sportwetten haben mit rückläufigen Umsätzen zu kämpfen, auf dem Vormarsch sind Newcomer wie Polymarket und das schon erwähnte Kalshi. Und auch das Informatikstudium ist nicht mehr das, was es einmal war. Früher mit einer Jobgarantie verbunden, haben Absolventen in den USA inzwischen die gleiche Arbeitslosenquote wie Studierende der bildenden Künste – also klar überdurchschnittlich.
Nach einmal zu den Gewinnern: Bei KI-Unternehmen rechnet man inzwischen nicht mehr mit Milliarden, sondern Billionen. Allein in den Aufbau von Rechenzentren investieren die amerikanischen Digitalgiganten rund 725 Milliarden US-Dollar. Davon profitieren auch Zulieferer aus Europa und Asien.
Das ist zu tun, damit einen die Google-KI findet
Wie schon gewohnt, überließ Philipp Westermeyer die Bühne für den zweiten Teil seinem Chefredakteur Roland Eisenbrand. Der präsentierte eine Reihe von Tipps, wie Unternehmen im KI-Zeitalter ihr Marketing und ihre Internetpräsenz erfolgreich gestalten können. Eine große Herausforderung trägt den Namen „Google AI Overviews“. Wer regelmäßig googelt, kennt das: Ganz oben zeigt die Suchmaschine eine mit KI erstellte, zum Suchbegriff passende Zusammenfassung, die oft jede weitere Recherche überflüssig macht. Tatsächlich ist seitdem auf einschlägigen Webseiten der Traffic erheblich zurückgegangen, man spricht von 265 Millionen weniger monatlichen Klicks allein in Deutschland. Um trotzdem die gewünschte Aufmerksamkeit zu erlangen, muss man bei der Zusammenfassung als Quelle ganz oben auftauchen und entsprechend genannt werden. Das lässt sich durch folgende Tricks erreichen:
- Chunking. Bedeutet, Informationen auf Webseiten häppchenweise und nicht in unübersichtlichen Texten zu verbreiten. Das kann dann aussehen wie der FAQ-Bereich, eine KI wird dort leichter fündig.
- Ähnliches gilt für Listicles, die ja auch redaktionelle Häppchen zusammenstellen. Einfach mal ein Listicle mit dem eigenen Unternehmen an erster Stelle auf der Webseite veröffentlichen; die KI stört das nicht und nimmt das als objektive Quelle.
- Überraschenderweise ist bei Google YouTube die meistgenannte Quelle. Um dort gefunden und zitiert zu werden, sind ein an gängigen Suchbegriffen orientierter Titel und eine gut strukturierte Inhaltsangabe des Videos hilfreich.

Reddit – das unterschätzte soziale Medium
Wenn es um Social Media-Marketing geht, stehen meistens Instagram und TikTok im Fokus. Reddit haben da viele nicht so auf dem Schirm. Ein Fehler, denn die Forenplattform erreicht Woche für Woche rund 500 Millionen Active Vistors und Subreddits gibt es zu so ziemlich jedem möglichen und unmöglichen Thema. Rund 40 % der Posts haben einen kommerziellen Aspekt. Reddit ist also eine ideale Spielwiese für die Markenkommunikation, wenn man die Spielregeln kennt. Als da wären:
- Bringt eure Community rüber zu Reddit. Viele Unternehmen haben sich beispielsweise auf Instagramm bereits eine Fangemeinde aufgebaut. Nun gilt es, diese Community auch zu Reddit zu locken und dort noch zu vergrößern.
- Hört eurer Community zu. Reddit bietet mehrere Tools, mit deren Hilfe sich ermitteln lässt, welche Themen gerade im Trend liegen und worüber heiß diskutiert wird. Das lässt sich auch bestimmte Ziel- und Interessengruppen herunterbrechen.
- Veranstaltet eine Fragestunde – aber richtig! Ein beliebtes Reddit-Format heißt „Ask me Anything“ (AMA), wo die Community jede beliebige Frage stellen kann. Das sollte man aber auch wörtlich nehmen. Hollywoodstar Woody Harrelson hat sich einmal mit einem AMA unbeliebt gemacht, weil er sich nur zu seinem aktuellen Film äußern wollte. Auch Fragen von offensichtlichen Fake-Accounts kommen nicht gut an, Ehrlichkeit und Offenheit sind gefordert.
- Für die kann auch ein Reddit-Botschafter sorgen, der seiner Community mit Rat und Tat zur Seite steht. Manchmal muss der einen Shitstorm überstehen, kann aber bei cleverer Interaktion auch Sympathiepunkte sammeln. So hatte der Lautsprecherhersteller Sonos Probleme mit einer App, konnte über seinen Botschafter aber Verbesserungsvorschläge aufnehmen, die zur Lösung des Problems führten.
- Vom Running Gag zum echten Produkt. In einem Autoforum wurde regelmäßig als Alternative zu luxuriösen Sportwagen die brave Familienkutsche Skoda Octavia genannt, natürlich nur zum Spaß. Der Autohersteller griff das auf und ließ über ein Reddit-Sondermodell abstimmen, das tatsächlich in den Handel kam.

Mit Micro Shows Millionen erreichen
Facebook wird seit Jahren totgesagt, dabei ist es nach wie ziemlich lebendig. Zum Austausch im Freundeskreis wird es allerdings kaum noch genutzt, über 90 % der Posts kommen über Algorithmen in die Timeline. Besonders beliebt sind Videoclips im Hochkantformat, die zwischen 60 und 180 Sekunden lang sein können. Immer mehr Unternehmen nutzen sie für Micro Shows und erreichen damit zweistellige Millionenreichweiten. Dabei imitieren sie häufig gängige Fernsehformate wie Sitcoms, Datingshows oder Reality TV. Das funktioniert immer dann, wenn das Format zu dem jeweiligen Produkt passt und eine ordentliche Portion Humor im Spiel ist. Manchmal reicht aber auch eine banale Workplace Documentary: Ein Käseladen aus Beverly Hills erreicht mit Clips von Menschen, die Käse schneiden, ebenfalls ein Millionenpublikum. Auch das gehört zu den OMR-Erfahrungen: Es muss nicht immer der ganz große Auftritt sein. Außer vielleicht einmal im Jahr in der Hamburg Messe.








