So wirkt Social Entrepreneurship in Hamburg!
Ein Tag ganz im Zeichen sozialen Unternehmertums – dafür stand das Social Entrepreneurship Forum in der Körber-Stiftung. Bei der Veranstaltung wurde deutlich, welchen Herausforderungen sich Gründerinnen und Gründer auf diesem Gebiet stellen müssen und welche Chancen sich ihnen in Hamburg bieten.
Beim Social Entrepreneurship sind Lichterketten wertvoller als Leuchttürme
Ein Zitat, das Arnd Boekhoff aus dem Vorstand der Hamburger Allianz für Social Entrepreneurship in die Diskussion einbrachte, mauserte sich zum inoffiziellen Motto der Veranstaltung: „Manchmal ist eine Lichterkette besser als ein Leuchtturm.“ Soll heißen: Es müssen nicht immer die Megaprojekte und mililardenschweren Einhorn-Startups sein, zusammen können auch kleine Unternehmen viel bewirken, erst recht, wenn sie soziale Themen aufgreifen. Um ihnen zu helfen, wurde die Allianz gegründet, die seit gut zwei Jahren aktiv ist und jetzt ihren ersten Wirkungsbericht veröffentlichte. So hat das sechsköpfige Team unter anderem 65 Events durchgeführt, 738 Stunden Beratung geboten und bei der Beschaffung von mehr als 2,6 Millionen Euro Fördergelder geholfen. Eine zusammen mit der Universität Hamburg entwickelte Wirkungslogik soll den Impact in Zukunft noch besser messbar machen.

Was Startups insgesamt und erst recht die aus dem sozialen Bereich brauchen, ist allgemein bekannt: Geld. In Hamburg gibt es dafür zwei spezielle Förderprogramme. InnoImpact richtet sich explizit an Startups in der Entstehungsphase, Unternehmen und Organisationen, die sich für #UpdateHamburg bewerben wollen, müssen seit mindestens zwei Jahren existieren. Um für eine Förderung infrage zu kommen und überhaupt eine Chance auf Erfolg haben zu können, müssen sie vier wesentliche Kriterien erfüllen, erklärte Martin Jung, Abteilungsleiter Innovation und Geschäftsentwicklung der IFB, bei einem Panel. Das seien die Lösung eines gesellschaftlich relevanten Problems, eine innovative Technologie oder Herangehensweise, ein vielseitig aufgestelltes Team und ein finanziell nachhaltiges Geschäftsmodell.
Vier Startups und ihre typischen Herausforderungen
Vor welchen Herausforderungen Sozial-Startups außerdem stehen können, war Thema eines Workshops. Die teilnehmenden Gründerinnen stammten alle aus dem Next.Generation Inkubator des Körber Start-Hubs, der Menschen im Alter bis 30 Jahre beim Aufbau ihrer Unternehmen unterstützt. Aus dem ersten Batch stammen Aylin Kitte und Elena Dwenger, die mit HandsOn! vor allem jungen Frauen die Ausbildung in Handwerksbetrieben schmackhaft machen wollen. Dafür möchten sie verstärkt auch Eltern ansprechen und stellten dem Publikum die Frage, wie das gelingen könnte. Über Unternehmen, Vereeine und Schule lauteten einige der Antworten.




Raya Laade bietet mit mutiva Hilfe bei psychischer Gewalt. Sie strebt Kooperationen an, die für alle Beteiligten gewinnbringend sind. Immaculata Nguyên von FORMALL stellte eine App vor, die amtliche Dokumente in eine verständliche Sprache übersetzt. Zielgruppe sind vor allem Kinder, deren Eltern nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen und die deshalb als Dolmetscher agieren. Die größte Herausforderung besteht in der Entwicklung eines tragfähigen Geschäftsmodells. Bo – Better Off schließlich möchte Einwegbecher beispielsweise für Kaffee durch ein Mehrwegsystem ersetzen, dabei auf Plastik verzichten und eine ganze Erlebniswelt darum herum aufbauen. Hier lautet die wichtigste Frage, wie sich Angebot und Nachfrage am besten ausbalancieren und skalieren lassen. Endgültige Antworten konnte der Workshop den vier Startups nicht liefern, aber viele wertvolle Anregungen und neue Kontakte, die alle voranbringen können.
Gute Perspektiven für soziales Unternehmertum

Die Erweiterung des Netzwerks gehört sowieso zu den wichtigsten Vorteilen eines Events wie dem Social Entrepreneurship Forum. Die Nachfrage war groß, um die 500 Anmeldungen gab es, nur rund die Hälfte konnten tatsächlich mit einem Ticket bedacht werden. Die Gäste bekamen ein Programm geboten, bei dem immer wieder die Vereinbarkeit von sozialem Engagement und wirtschaftlicher Tragfähigkeit im Mittelpunkt stand – dafür steht schließlich auch der Begriff Social Entrepreneurship. Hamburg ist da mit der Allianz gut aufgestellt, zumal ihr Fortbestand bis mindestens 2030 durch die Stadt garantiert ist. Das bietet Planungssicherheit und ermöglicht den Aufbau nachhaltiger Strukturen. Wichtig für einen Wirtschaftsbereich, der zu oft eher im Schatten steht, obwohl er unbedingt ins Rampenlicht gehört.








