Der Gründergeist 2026 ist weiblich
Bei der 20. Ausgabe des von den Wirtschaftsjunioren der Handelskammer Hamburg durchgeführten Startup-Wettbewerbs Gründergeist standen überwiegend Gründerinnen im Rampenlicht. Das spiegelte sich auch in den Teams auf den ersten drei Plätzen wieder, die an FiberGuard, exære und RYLEVÉ gingen.
Der Gründergeist ist ein Wettbewerb mit einer langen Tradition, aus dem schon viele erfolgreiche Startups hervorgegangen sind. Auch der Vorjahressieger Aortex ist auf einem guten Weg. Dementsprechend begehrt ist einer der Startplätze, was die über 90 Bewerbungen in diesem Jahr beweisen. Aus diesen wurden zunächst die sieben vielversprechendsten Kandidaten ausgewählt, die dann vor einer Fachjury unter Ausschluss der Öffentlichkeit pitchen durften. Dabei fiel bereits die Entscheidung, welche Startups die ersten drei Plätze belegen sollten. Der Auftritt beim Finale auf der die Bühne des bei Gamern beliebten XPERION im MediaMarkt in der Mönckebergstraße hatte diesbezüglich also keine Konsequenzen. Immerhin galt es aber noch ein Publikum zu überzeugen, in dem sich auch einige Investorinnen und Investoren befanden.
Startup-Lösungen zu aktuellen Themen
Die erlebten unter anderem den Auftritt von Victor Büchner. Er stellte mit re_source eine Plattform vor, die es Unternehmen erleichtert, die optimale Verpackung für ihre Produkte zu finden. Nachhaltigkeit spielt dabei ebenso eine Rolle wie Kostenersparnis.. Besondere Aktualität bekommt das Thema durch eine EU-Verpackungsverordnung, die seit dem 12. August 2026 gilt. Ein Dauerthema sind auch künstliche Intelligenz und die damit verbundenen Befürchtungen bezüglich der Datensicherheit. Vikram Sachdeva bietet mit seinem Startup Wysor eine „KI mit Schweigepflicht“ und spricht damit vor allem Arztpraxen und Anwaltsbüros an, wo mit besonders vertraulichen Daten gearbeitet wird.




Batterien beziehungsweise wiederaufladbare Akkus befinden sich heutzutage in zahllosen Geräten. Dabei gleicht kaum ein Modell dem anderen, und das gilt auch die Batteriemanagementsysteme (BMS), die das alles steuern. Entsprechend aufwendig ist die Entwicklung eines neuen BMS, das kann Monate dauern. Das modulare System von Anori Tech, präsentiert von Anina Tietjens, erleichtert diesen Prozess erheblich und spart so Zeit und Geld. Für Universal Carbon ging Antje Bulmann ins Rennen. Sie erklärte, wie ihr Startup aus klimaschädlichen Gasen wie CO2 und Methan wertvolle Rohstoffe gewinnt.
Exowear gegen Rückenschmerzen und ein neues Recyclingverfahren
Beim Ballett bezeichnet Relevé eine Tanzbewegung aus der leichten Kniebeuge in den Stand auf den Fußspitzen oder -ballen. Solche Übungen werden vom Personal in Pflegeinrichtungen und Krankenhäusern nicht verlangt, eine hohe Beweglichkeit aber schon. Das führt schnell zu Muskelverspannungen und Rückenschmerzen. Dem vorbeugen möchte das Startup RYLEVÉ mit Exowear, spezieller Berufsbekleidung, die nach dem Prinzip eines Exoskeletts Körperbewegungen unterstützt. Für die Gründerinnen Dr. Yen Dieu Pham und Zhe Jun Yao gab es dafür den dritten Platz und 2.000 Euro. Das wurde übrigens erst am Ende der Veranstaltung verkündet, für Spannung war also gesorgt.


Platz zwei und 3.000 Euro sicherte sich Jan Dethloff, CTO von exære. Er vertrat CEO Yelda Nur Demirdöğen, die das Startup normalerweise bei Pitchveranstaltungen vorstellt und die Frauenquote weiter erhöht hätte. exære löst gleich mehrere Probleme. Es gibt eine Reihe von kritischen Rohstoffen, zu denen unter anderem seltene Erden zählen, bei denen eine hohe Importabhängigkeit besteht und die unter menschenrechtlich und ökologisch problematischen Bedingungen gefördert werden. Zugleich gibt es jede Menge Elektroschrott, der bisher nicht recycelt werden kann und die Umwelt belastet. Eine neue Technologie, die gerade zum Patent angemeldet wird, soll das ändern und damit eine neue Rohstoffquelle und einen neuen lukrativen Markt erschließen.
FiberGuard lässt Brücken sprechen

Wie wäre es, wenn die Köhlbrandbrücke mit uns sprechen könnte, fragte die Gründerin Sophia Lorenz zu Beginn ihres Pitches. Vielleicht würde sie uns mitteilen, wo es zu bröckeln beginnt und Reparaturarbeiten erforderlich sind. Direkt zum Sprechen bringen kann FiberGuard Brücken und andere für die Infrastruktur relevante Bauwerke nicht, aber mit optischen Fasern lassen sich auch kleinste Veränderungen feststellen. Genau diese Technologie bietet das Startup und damit die Möglichkeit Brücken kontinuierlich zu inspizieren, was sonst nur alle sechs Jahre passiert. So lassen sich höhere Baukosten vermeiden oder sogar Katastrophen wie der Einsturz der Carolabrücke in Dresden. Das überzeugte die Jury und brachte Platz eins und 10.000 Euro ein.








